Patientensicherheit im Fokus: Ein Interview mit Klinikdirektor Prof. Jochen A. Werner
Herr Professor Werner, als Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen setzen Sie sich schon lange für mehr Patientinnen- und Patientensicherheit ein. Ist die Relevanz des Themas gestiegen?
Prof. Dr. Jochen A. Werner: Das ist definitiv so, und ich bin froh über diese Entwicklung. Die optimale Versorgung sollte immer im Fokus stehen und innovative Ansätze zu ihrer Verbesserung sollten gefördert werden. Die zunehmende Komplexität der Gesundheitswelt macht das Thema heute aktueller denn je.

Ein neuer Ansatz wurde kürzlich im Buch „Safety-II: Neue Wege zur Patientensicherheit“ vorgestellt und wie wir hörten, haben Sie das Buch bereits weiterempfohlen. Was zeichnet es aus Ihrer Sicht aus?
Prof. Werner: Es setzt an dem Punkt der zunehmenden Komplexität der Gesundheitswelt an und bietet aktuelle, praxisnahe Perspektiven. Verfasst von einem Arbeits- und Organisationspsychologen sowie zwei Ärzten verdeutlicht es eindrucksvoll, dass die bisherigen Methoden des Risikomanagements, die aus einer „einfachen, planbaren Welt“ stammen, im heutigen Klinikalltag oft an ihre Grenzen stoßen. In einer Umgebung, die von mehr Stress, Unsicherheiten und wechselnden Rahmenbedingungen geprägt ist, brauchen wir neue, resiliente Strategien – hier kommt der Safety-II-Ansatz ins Spiel.
Was ist das Besondere an diesem Ansatz?
Prof. Werner: Safety-II geht davon aus, dass es nicht mehr ausreicht, „nur“ Fehler zu vermeiden. Stattdessen wird die Fähigkeit von Organisationen, Teams und Prozessen gestärkt, auch unter widrigen Bedingungen sicher zu arbeiten. Im Buch werden dabei eine Reihe von Werkzeugen vorgestellt, die Leserinnen und Leser praxisorientiert durch das Resilienz-Dreieck führen: vom Resilient Assessment Grid (RAG) zur strategischen Orientierung über die Functional Resonance Analysis Method (FRAM) für ein besseres Prozessverständnis bis hin zu Team Resource Management (TRM) zur Kompetenzentwicklung. Besonders wertvoll ist die Kombination aus fundierter Theorie, empirischer Evidenz und realen Fallbeispielen.
Wer sollte das Buch lesen?
Prof. Werner: Es handelt sich um eine unverzichtbare Lektüre für alle, die in der Klinikleitung, im Qualitätsmanagement oder in der Pflege Verantwortung für die Patientensicherheit tragen. In einer Welt, in der Patientensicherheit trotz vieler Fortschritte immer noch deutlich verbesserungsbedürftig ist, bietet es innovative und wissenschaftlich fundierte Lösungen, um den Herausforderungen der wachsenden Komplexität im Klinikalltag erfolgreich zu begegnen. Ein Must-Read für alle, die die Resilienz in ihrer Organisation stärken und nachhaltige, messbare Verbesserungen in der Patientensicherheit erzielen wollen!
Vielen Dank für diese spannenden Einblicke und Ihr Engagement für dieses überaus wichtige Thema!
Das Interview führte Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation der FOM Hochschule | 07.11.2024
Suche nach Beiträgen
Beitrag teilen
FOM Forschungspreise 2026: Für erste Stiftungsprofessur und herausragende Publikationsleistung
Neben Preisen für herausragende Lehre sowie für damit verbundene besondere Innovationen wurden auch in diesem Jahr im Rahmen der Dozierendenvollversammlung der FOM Hochschule wieder Forschungspreise verliehen.
WeiterlesenGesundheit braucht Licht: Internationales Forschungsteam forscht für mehr Tageslicht im Alter
Wer zu wenig Tageslicht abbekommt, riskiert nicht nur negative Stimmung und schlechte Schlafqualität, sondern auch die Gefährdung der Gesundheit. Pflegebedürftige Menschen haben hier ein erhöhtes Risiko ...
WeiterlesenGründerinnen aufgepasst: Bis zum 1. Februar 2026 für den Female Founders Award 2026 bewerben
Die FOM Hochschule unterstützt als Partnerin den AmCham Germany Female Founders Award. „Seit 2019 macht der renommierte Preis Gründerinnen zu internationalen Role Models und verschafft ihnen über das AmCham-Netzwerk große Sichtbarkeit ..."
Weiterlesen

