Mehr Ertragserwartung – mehr Risiko? Band zu Volatilitäts-Strategien bei Aktienportfolios in der ifes-Schriftenreihe veröffentlicht
Wie viel Risiko ist mit welchen Aktienstrategien verbunden – und gibt es Strategien, die weniger Risiko ohne Ertragseinbußen ermöglichen? Zu diesem Thema haben Simon Pleines M.Sc., Absolvent des Master-Studiengangs Risk Management & Treasury der FOM, und Prof. Dr. Frank Lehrbass vom ifes Institut für Empirie & Statistik, der am Hochschulzentrum Düsseldorf lehrt und forscht, eine Studie verfasst, die nun in der ifes-Schriftenreihe erschienen ist.

Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus in weltweit vielen Wirtschaftsräumen haben Aktien in der Vermögensanlage an Bedeutung zugenommen. Dies liegt insbesondere daran, dass die Ertragserwartung von Aktien oft höher ist als die anderer Finanzinstrumente. Gleichzeitig geht mit einem Investment in Aktien jedoch in der Regel auch ein höheres Risiko einher. Diese Spannung (höhere Ertragserwartung vs. höheres Risiko) soll durch „Volatilitätsziel“-Strategien ein Stück weit reduziert werden. Volatilität ist eine Maßzahl für das Risiko. Ruhige Marktphasen sind durch eine geringe Volatilität gekennzeichnet, die Aktienkurse schwanken also weniger als in unruhigen Phasen. Leitgedanke der Strategien ist es, das Aktiengewicht in ruhigeren Marktphasen zu erhöhen und in unruhigeren Marktphasen zu reduzieren.
Der Band untersucht, ob die Umsetzung dieser Volatilitätsziel-Strategien in der Vergangenheit erfolgreicher gewesen wäre als herkömmliche „Kaufen-und-Halten“-Strategien. Solche „Rückspiegel-Berechnungen“ werden als „Backtesting“ bezeichnet. Die Berücksichtigung von praxisrelevanten Aspekten hat im Band einen hohen Stellenwert: So berechnen die Autoren beispielsweise Transaktions- und Fremdkapitalkosten mit ein, um ein möglichst realistisches Bild zu zeichnen.
Band 27 der ifes-Schriftenreihe mit dem Titel „Backtesting von volatilitätsgesteuerten Aktienportfolios“ ist hier kostenfrei abrufbar.
Im Ergebnis zeigt sich, dass viele „Volatilitätsziel“-Strategien gegenüber „Kaufen-und-Halten“-Strategien eine höhere Risikoprämie erwirtschaften. Statistisch signifikant ist dies jedoch nur in wenigen Fällen. Insgesamt stellt der Band heraus, dass der Erfolg der Strategien von verschiedenen Parametern abhängig ist. Unter anderem wird dieser durch das gewählte Volatilitätsmodell, die verwendete Neugewichtungsfrequenz und die Länge der untersuchten Halteperiode beeinflusst. Beispielsweise werfen die im Fokus stehenden Strategien bei einer Halteperiode von 15 Jahren in allen betrachteten Fällen eine höhere Risikoprämie ab. Bei einer Halteperiode von 5 Jahren ist dies nur in etwa der Hälfte aller Fälle zu beobachten.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass „Volatilitätsziel“-Strategien nicht als „Patentrezept“ zur systematischen Erwirtschaftung höherer Erträge zu verstehen sind. Unter gewissen Rahmenbedingungen sind sie in der Vergangenheit dennoch erfolgreicher als „Kaufen-und-Halten“-Strategien gewesen. Die wesentliche Erkenntnis ist, dass die Strategien meist risikoreduzierend wirken. So fallen in der Praxis etablierte Risikokennzahlen im Schnitt niedriger aus und sind zudem auch noch stabiler. Somit können „Volatilitätsziel“-Strategien einen Mehrwert liefern.
Pleines, S. / Lehrbass, F. (2021): Backtesting von volatilitätsgesteuerten Aktienportfolios, in: Krol, B. (Hrsg.): ifes Schriftenreihe, Band 27, 2021, ISSN (eBook) 2569-5355, ISBN (eBook) 978-3-89275-430-5.
Joanna Waldmann B.A. | wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschungskommunikation | 30.12.2021
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