Sommerzeit, Zeitumstellung – Professor Kantermann national wie international zu Rate gezogen - FOM forscht

Sommerzeit, Zeitumstellung – Professor Kantermann national wie international zu Rate gezogen

Aktuell wird das Thema Zeitumstellung und Verbleib bei der Sommerzeit nicht nur in Deutschland, sondern vor allem auch auf europäischer Ebene stark diskutiert. Prof. Dr. habil. Thomas Kantermann, unser Experte für Humanchronobiologie, wird aus diesem Anlass von den verschiedensten Redaktionen interviewt. Dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) hat er bereits vor einigen Jahren für den Bericht „Bilanz der Sommerzeit“ zugearbeitet.

Prof. Dr. habil. Thomas Kantermann, Experte für Humanchronobiologie an der FOM Hochschule, wird derzeit medial in Deutschland und international zum Thema Zeitumstellung bzw. Sommerzeit zu Rate gezogen (Foto: FOM)

Vergangenen Freitag wurde er vom Radiosender Deutschlandfunk Kultur interviewt, davor vom australischen Radiosender ABC und zuvor beantwortete er bei WDR 5 Hörerfragen. Auch wir hatten Fragen an unseren Experten.

Professor Kantermann, der Verbleib bei der Sommerzeit wird derzeit europaweit diskutiert. Warum sind Sie dagegen?

Prof. Dr. Thomas Kantermann: Im Kern geht es darum, dass verstanden wird, das eine Umstellung auf Dauer-Sommerzeit der falsche Weg ist. Schön ist ja, dass man überhaupt weg gehen will von diesem siebenmonatigen Jetlag, mit dem die inneren Uhren von Millionen von Menschen jährlich zu kämpfen haben, aber so herum macht es keinen Sinn.

Die Entscheidung ist auf biomedizinischer Basis zu treffen und nicht anhand von Befindlichkeiten. Die Wahrnehmung „schöner heller Sommerabende“ täuscht, die würden auch nicht wirklich verloren gehen, sondern wir hätten im Gegenzug dazu mehr Dunkelheit im Winter, weil es eine Stunde später hell werden würde. Das kann jeder für seinen Wohnort ausrechnen. Und man sollte sich die Frage stellen, ob man seine Kinder den gesamten Winter über eine Stunde früher im Dunkeln zur Schule oder in den Kindergarten schicken möchte. Zudem geht es dann darum, dass bei Dauer-Sommerzeit die Diskussion verstärkt geführt werden muss, dass Arbeitszeiten flexibler werden und eben Schule & Co. später anfangen.

Die Sommerzeit wurde ja damals eingeführt, um Energie zu sparen. Man hört immer wieder, dass das gar nicht erreicht wurde… 

Prof. Dr. Thomas Kantermann: Genau, mit der Sommerzeit wurde eine „Kunst-Zeit“ geschaffen, mit der man Energie sparen wollte. Dass man das damit nicht erreicht hat, wurde schon mehrfach belegt, unter anderem im Rahmen des TAB-Berichts. Hinzu kommen – und das ist das größere Problem – gesundheitliche Störungen und Störungen des Schlafes. Eine Begründung, nun bei der Sommerzeit zu bleiben, erschließt sich hier logisch nicht. Wir müssen verstehen, dass es unserer Biologie besser geht, wenn wir näher an unserer Zeitzonengrenze leben, und dies bedeutet Normalzeit. Der Begriff Winterzeit und Sommerzeit ist sowieso irreführend, weil es diese Zeiten ja nicht gibt. Die Begrifflichkeit ist suggestiv.

Unser Signal muss ganz klar sein: Die letzte Umstellung ist im Oktober 2018 – oder spätestens Oktober 2019 – und dann sind wir mit dem Thema durch und bleiben bei der Normalzeit.

Herzlichen Dank für diesen Einblick, Professor Kantermann!

 

Auch wenn es um Lichtverschmutzung geht, wird Professor Kantermann zu Rate gezogen. Hier ist er im Rahmen einer „Visual Story“, eines Video-Artikels des Magazins Spiegel zum Thema zu sehen.

Er befasst sich an den Instituten ifes (Institut für Empirie & Statistik) sowie ifgs (Institut für Gesundheit & Soziales) der FOM Hochschule schwerpunktmäßig mit der quantitativen und qualitativen Forschung in den Bereichen Humanchronobiologie, Schlaf und Gesundheitspsychologie. Am FOM Hochschulzentrum Neuss lehrt er wissenschaftliche Methoden, Allgemeine und Biopsychologie sowie Gesundheitspsychologie inkl. Chronobiologie.

Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A., Referentin Forschungskommunikation, 20.09.2018

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