Deutscher Mittelstand: Von der Internationalisierung zur Regionalisierung – wirtschaftsgeographische Fragestellungen für die Betriebswirtschaftslehre
Die Gründerszene in Deutschland ist geprägt von Urbanisierung, talentierten Fachkräften sowie dynamischen Unternehmern, die ihre Büroräume in städtischen Zentren gemeinsam mit anderen Start-ups teilen. Auch Investoren zieht es überwiegend in Metropolen. Kurzum: Alle, die sich im Innovations- und Gründerökosystem betätigen wollen, pilgern in die Städte.
Auch große Unternehmen – mit ihren Headquartern ohnehin in Städten zuhause – suchen die Nähe der Start-ups, sei es Lufthansa mit Innovation Hub in Berlin oder BASF mit Innovation Lab in Heidelberg.
Bei all dieser städtischen Konzentration von innovativen und wirtschaftlichen Hotspots stellt sich die Frage: Wo bleibt der Mittelstand? Immerhin tragen die kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande maßgeblich zum volkswirtschaftlichen Erfolg bei. Ein Teil der KMU ist sicher noch im Erreichbarkeitshorizont der Großstädte, aber eine Vielzahl dieser Unternehmen befindet sich in ländlichen Regionen.
Auf den ersten Blick mag die Entwicklung des ländlichen Raums kein Thema für den Geschäftsführer eines Mittelstandsunternehmens sein. Es liegt eher im Zuständigkeitsbereich der Politik und der lokalen Wirtschaftsförderung. Doch die Auswirkungen spüren Unternehmen direkt: In der Provinz fehlen zunehmend Fachkräfte. Selbst wenn eine Hochschule in der Region Absolventen hervorbringt, bleiben diese nicht lange und suchen die Nähe von Großunternehmen in attraktiven großen Städten. Zudem sind schnelle Internetverbindungen in ländlichen Regionen vielfach nicht vorhanden. Wie können Mittelständler aus ländlichen Gebieten also den Sprung in das digitale Zeitalter schaffen, wenn die Fundamente hierfür in den Städten gelegt werden?

Der Frage, welche Strategien der Mittelstand entwickeln kann, um etwaige Defizite in ländlichen Regionen auszugleichen, will Prof. Dr. Orhan Kocagöz vom KompetenzCentrum für Entrepreneurship und Mittelstand (KCE) nachgehen: „Es wird Zeit, dass sich der Mittelstand nach vielen Jahren der Internationalisierung nun auch mit der Lokalisierung beschäftigt.“ Im Rahmen des Projekts ‚Mittelstandsatlas‘ sollen daher auch wirtschaftsgeographische Fragestellungen in den Fokus der Betriebswirtschaftslehre gerückt werden. Schließlich gehört es zu Unternehmensphilosophien, einen Gründungsstandort dauerhaft zu erhalten, zumal sich Gründerfamilie und Mitarbeitende mit der jeweiligen Region identifizieren.
Ziel des Projekts ist es, einen Handlungsrahmen für die Standortpolitik von Mittelstandsunternehmen aufzubauen. Eine Verlagerung der Unternehmenszentrale soll dabei der letzte Ausweg sein. Es wird u. a. der Frage nachgegangen, wie Unternehmen mit anderen Firmen beispielsweise Allianzen bilden können, um gemeinsam Investitionen in die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen zu tätigen. In Kooperation mit Hochschulen könnten Innovationszentren aufgebaut werden, um auch junge Fachkräfte zu binden. Denn eines steht fest: Der Mittelstand selbst muss mehr regionale Verantwortung übernehmen, um langfristig in ländlichen Regionen erfolgreich zu sein.
07.03.2018
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