„Beenden Sie den Balance-Bullshit!“: Prof. Dr. Müller-Friemauth mit klaren Worten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement
06.02-2017 – Yogakurs in der Mittagspause, Obstsnack am Nachmittag und Resilienztraining nach Feierabend: Immer mehr Unternehmen investieren in gesundheitsfördernde Maßnahmen, um die Fitness ihrer Belegschaft sicherzustellen. Doch was bringt das betriebliche Gesundheitsmanagement wirklich? Beim 4. Fachforum „Gesundheit.Verantwortung.Öekonomie“ am 3. Februar an der FOM Essen wurde diese Frage kritisch diskutiert. Eine der Referentinnen: Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth. Die Zukunftsforscherin vom KCT KompetenzCentrum für Technologie- & Innovationsmanagement bezog deutlich Stellung – und zwar gegen den ganzen „Balance-Bullshit“.
Das Hauptproblem in ihren Augen: „Die Sicht auf das betriebliche Gesundheitsmanagement ist derzeit stark vereinseitigt – auf die Perspektive der Mitarbeitenden“, so die KCT-Expertin. „Statt sich aber zu fragen, wie sie ihre Belegschaft noch besser befähigen können, einen guten Job zu machen, sollten Unternehmen lieber Strukturen und Prozesse ihrer Organisation ins Visier nehmen.“ Schließlich bedeute die aktuelle Gesundheits- und Glücksbewirtschaftung, bestehende organisatorische Defizite auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzuladen. „Die Personaldecken werden dünner, die Arbeitslast steigt. Doch statt an internen Faktoren zu schrauben, bekommt jedes Individuum seine persönliche ‚Pimping your Performance‘-Strategie verpasst. Das ist schlichtweg absurd.“
Prof. Dr. Müller-Friemauths Botschaft an die anwesenden Unternehmensvertreterinnen und -vertreter lautete daher: „Beenden Sie den Balance-Bullshit und gehen Sie neue Wege. Zum Beispiel, indem Sie Mitarbeitende über ein Wir-Gefühl binden und ihnen zu verstehen geben, dass ihre Arbeit und ihre Ideen relevant für das Bestehen und die Weiterentwicklung der Organisation sind.“ Dass sich diese Vorgehensweise auszahlt, belegte sie anhand verschiedener Studien. So seien Unternehmen mit starker inspirierender Führung deutlich weniger von Beschleunigungsfalle und Dauer- bzw. Mehrfachbelastung betroffen. Darüber hinaus wären Führung mit Vision und Inspiration, Vertrauenskultur und Empowerment Erfolgsvoraussetzungen für die Nutzung neuer, digitaler Arbeitsformen.
Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation
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