4. Deutsch-Chinesisches Akademisches Forum: Vor welchen Herausforderungen steht eine alternde Gesellschaft?
14.11.2016 – Prominent besetzt war das 4. Deutsch-Chinesische Akademische Forum am 10. und 11. November in Berlin: Auf Einladung der Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik – kurz: BAPP – und der Konrad Adenauer Stiftung, waren PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen aus China und Deutschland in die Hauptstadt gereist, um „Neue Entwicklungskonzepte und gesellschaftliche Transformationsprozesse“ zu diskutieren. Darunter als Schirmherr der Botschafter der Volksrepublik China, Shi Mingde, als Mitorgansiator Prof. Wang Limin, Chefredakteur der Social Sciences in China Press (SSCP), sowie als Gäste Prof. Wang Tianfu von der Tsinghua University, Prof. Qiu Zeqi von der Peking University, Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sowie die Bundesminister a.D. Dr. Jürgen Rüttgers und Rudolf Scharping. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Tagung lagen u.a. auf Governance in Cyber-Space, nachhaltiger Entwicklung für die globalisierte Welt, Geschlechtergerechtigkeit und Bevölkerungsstruktur. Zum diesem Thema gab es auch einen Vortrag von einem FOM-Vertreter: Prof. Andreas Oberheitmann, Forschungskoordinator der FOM German-Sino School of Business & Technologie, sprach über die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft.
„Die Lage in China und Deutschland ist durchaus vergleichbar“, betonte er. „In beiden Ländern sind eine Überalterung der Gesellschaft sowie ein deutlich abnehmendes Bevölkerungswachstum zu beobachten.“ In Zahlen heißt das: Das Durchschnittsalter in Deutschland und China liegt bei 45,7 bzw. 36,3 Jahren, der Anteil der unter 15-Jährigen bei 13,1 bzw. 17,2 Prozent. Dies führe zu allgemeinen Herausforderungen bei Altersvorsorge und Gesundheitswesen und habe zudem Auswirkungen auf die Arbeitswelt. „Die wachsende Zahl von Rentenempfängern und älteren Menschen mit einer höheren Lebenserwartung ziehen beispielsweise höhere Aufwendungen für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung nach sich“, so Prof. Oberheitmann. „Mit Blick auf die Berufstätigkeit stellt sich die Frage, wie die Produktivität von Mitarbeitenden länger erhalten werden kann. Dabei spielt natürlich das lebenslange Lernen eine große Rolle.“
Für China sieht der Forschungskoordinator der German-Sino School noch weitere Herausforderungen, die sich u.a. in Folge der seit den 1980er Jahren betriebenen Geburtenkontrollpolitik ergeben. „Gerade im Industriesektor herrscht ein eklatanter Arbeits- und Fachkräftemangel. Die Folge: Die Löhne sind in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr angestiegen“, erklärte Prof. Oberheitmann. „Das wiederum führt dazu, dass die bisherigen Wettbewerbsvorteile bei den Lohnstückkosten wegfallen, und viele ausländische Investoren in andere Länder abwandern.“ Als Ausweg schlug er eine Verbesserung der Produktivität durch den Ausbau des Bildungssystems vor. Zum Beispiel durch die Gründung von mehr Fachhochschulen oder die Einführung eines dualen Bildungssystems.
Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation
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