Text Mining im Gesundheitswesen: Einblicke in ein FOM-Forschungsprojekt

06.10.2016 – Lassen sich via Text Mining Faktoren identifizieren, nach denen Patienten ein Krankenhaus auswählen? Definitiv, sind Prof. Dr. Sascha Koch und Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer überzeugt. Die beiden Experten der FOM Hochschule haben – unterstützt von Master-Studierenden und in Kooperation mit einer Krankenhauskette – 100.000 Patienten-Bewertungen in verschiedenen Internetportalen untersucht. Eine der gewonnenen Erkenntnisse: „Weder Gesundung noch die Art der Behandlung oder deren Effektivität sind Voraussetzung für eine positive Bewertung“, so Prof. Dr. Koch vom ifgs Institut für Gesundheit & Soziales. „Viel wichtiger sind die Freundlichkeit von Stationsärzten und Pflegepersonal sowie die Aufklärung bzw. eine klare und verständliche Information bei Visite und Behandlung.“
Signifikant sind diese Ergebnisse allerdings (noch) nicht. „Im Grunde war dieses interne Projekt ein erstes ‚Vorfühlen‘, ob unser Ansatz überhaupt funktioniert“, erklärt Prof. Dr. Buchkremer. „Wenn alles gut läuft, wird ein umfassenderes Projekt folgen, bei dem wir uns weitaus größere Datenmenge vornehmen.“ Ein entsprechender Antrag befinde sich bereits in der Vorbereitung.
Der Fokus wird auch dann wieder auf Text Mining liegen. „Mit Hilfe dieses Datenanalyseverfahren lassen sich Bedeutungsstrukturen in un- oder schwachstrukturierten Textdaten entdecken“, fasst Prof. Dr. Buchkremer zusammen. „Die Bewertungen von Patienten bestehen ja in der Regel aus Fließtext, der sowohl positive als auch negative Formulierungen enthält und durch Computer daher schwierig zu verarbeiten ist.“ Ein Satz wie „Frühstück hat mir persönlich geschmeckt, katastrophal waren jedoch sonntags die Eier“ enthalte beispielsweise zwei konträre Aussagen. „Um das richtig zuzuordnen, müssen Schlüsselwörter konfiguriert werden, nach denen die Bewertungen durchsucht werden sollen. Das ist ziemlich aufwändig.“
Ein Aufwand, der sich allerdings lohnt, findet Prof. Dr. Koch. „Analysierte Patientenbewertungen bieten Krankenhäusern die Möglichkeit, ihre eigene Reputation sowie die ihrer Wettbewerber zu prüfen“, erläutert er. „Aus diesen Erkenntnissen lassen sich dann sowohl Qualitätsmanagement- als auch Marketingmaßnahmen ableiten.“ Noch sei das Thema den meisten Einrichtungen allerdings nicht präsent, da zumeist noch papiergebundene Zufriedenheitsanalysen durchgeführt werden. „Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung – mit Blick sowohl auf die Auswertung von Patientenbewertungen als auch auf die Entwicklung einer stärker personalisierten Medizin auf Basis von Big-Data-Analysen.“
Stefanie Bergel, Referentin für Forschungskommunikation
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