Von der Ökonomisierung der Medizin - FOM forscht

Von der Ökonomisierung der Medizin

28.04.2016 – Wie kann die Medizin ihre Selbstbestimmung zurückgewinnen? Diese Frage stand im Zentrum des Vortrags, den Prof. Dr. Dr. Christian Thielscher auf der 122. Jahrestagung der DGIM Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hielt. Der wissenschaftliche Leiter des KCG KompetenzCentrum für Management im Gesundheits- & Sozialwesen der FOM Hochschule nahm einzelne Aspekte der zunehmenden Fremdbestimmung – aka Ökonomisierung – ins Visier und zeigte Lösungswege auf.

Beispiel Digitalisierung. „65 Prozent der Patientinnen und Patienten konsultieren heute vor dem Arztbesuch das Internet, 50 Prozent wollen online mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt in Kontakt treten und 33 Prozent wollen ihre Gesundheit gerne online organisieren“, nannte Prof. Dr. Thielscher aktuelle Zahlen. Ein Trend, den Internetfirmen wie IBM gerne aufgreift. „Der Computerkonzern hat eine Tochterfirma gegründet, die auf einer Online Plattform namens Watson Health Gesundheitsinformationen auswertet“, so der FOM-Experte. „Zielsetzung: Mit Hilfe von Big Data sollen Therapien verbessert und auch die Forschung vorangetrieben werden.“

Heißt das, über kurz oder lang werden Ärztinnen und Ärzte durch das Internet ersetzt? Prof. Dr. Thielscher riet seinen Zuhörerinnen und Zuhörern, die Nerven zu bewahren. „Viel von dem, was sich im Bereich Digitalisierung tut, ist heiße Luft“, lautete sein Urteil. „Ärztinnen und Ärzte werden auch weiterhin definitiv gebraucht – und sei es nur als Haftungsträger, denn die IT-Firmen kommen definitiv nicht für Behandlungsfehler auf.“ Sein Vortrag enthielt auch eine Reihe von Empfehlungen. Zum Beispiel: Fachgesellschaften, Ärztinnen und Ärzte sollten vermehrt eigene Daten sammeln, die Medizin muss aufsuchender werden und ökonomische Überlegungen müssen in die Medizin reintegriert werden.

Wer den Vortrag in voller Länge hören möchte, wird auf der Internetseite der DGIM fündig. Dort ist für registrierte Nutzer eine entsprechende Videodatei hinterlegt.

Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation

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