Think Tanks in Deutschland: Frische Unterstützung für das Gesundheitssystem aus Denkfabriken
„Das ‚Young Lions Health Parliament’ war vor vielen Jahren meine erste Berührung mit einem sogenannten ‚Think Tank‘, einer ‚Denkfabrik‘. Hier kamen 80 junge Leute aus ganz Europa zusammen und gemeinsam brainstormten wir zu den Möglichkeiten für ein nachhaltiges Gesundheitssystem“, so Prof. Dr. David Matusiewicz. Der Dekan für Gesundheit & Soziales und Direktor des Instituts für Gesundheit & Soziales (ifgs) der FOM wurde damals zum Präsidenten dieses Think Tanks gewählt und berichtet, er habe teilweise heute noch Kontakt zu einigen Personen dieses Netzwerks, die wie er weiterhin mit dem Gesundheitswesen verbunden sind.
In einem nächsten Schritt hat er die „BKK Young Talents“ mitgegründet. Dabei handelt es sich um einen unabhängigen Think Tank von jungen Mitarbeitenden der verschiedenen Betriebskrankenkassen. Die Young Talents werden jährlich neu gewählt „und wir führen sie beispielsweise informell zusammen mit Ärztinnen und Ärzten, damit sich beide Seiten kennenlernen und sich daraus neue Impulse, z. B. für die Politik, ergeben“, so der ifgs-Direktor weiter, an dessen Institut zu den unterschiedlichsten Themen aus dem Bereich Gesundheit und Soziales geforscht wird.
„In den USA sind Think Tanks bereits fester Bestandteil und sie beeinflussen in starkem Maße Wirtschaft und Politik.“ Ein Beispiel sei die Heritage Foundation, der man nachsagt, maßgeblich die US-Gesundheitsreform „Obama Care“ beeinflusst zu haben.
Auch in Deutschland gibt es bereits zahlreiche Denkfabriken, wie zum Beispiel parteinahe Stiftungen, die sich auch mit gesundheitspolitischen Fragestellungen befassen.

„Denkfabriken sind eine wunderbare Möglichkeit, um frischen Wind reinzubekommen, ohne Hierarchieebenen. Auch für Unternehmen – für Konzerne genauso wie für kleine und mittelständische Firmen – ist die Nutzung einer Denkfabrik eine gute Chance, um vielfältigen Herausforderungen neu und konstruktiv zu begegnen.“
Daher war es ihm wichtig, einen Überblick darüber zu schaffen, welche Gesundheits-Think-Tanks es in Deutschland gibt – um interessierten Unternehmen und Organisationen einen Orientierungsrahmen zu geben. Ergebnis ist das 2020 erschienene Buch „Think Tanks im Gesundheitswesen. Deutsche Denkfabriken und ihre Positionen zur Zukunft der Gesundheit“.
In 26 Kapiteln geht es u. a. um die Erwartungshaltung an Denkfabriken im deutschen Gesundheitswesen (Kapitel 1), Think Tanks in der Onkologie (Kapitel 10), das übergreifende Innovationspotenzial der Globalen Gesundheit für alle Bereiche wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Handelns (Kapitel „Global Health Think Tanks – Think Tanks im Bereich der Globalen Gesundheit“) oder auch die (digitale) interdisziplinäre Zusammenarbeit von Stakeholdern (Kapitel „Hacking Health: Eine globale Initiative mit vielen Gesichtern“).
Das Fachbuch ist erschienen in der FOM-Edition des Springer Gabler Verlags und wurde bereits mit dem begehrten Label „Buchtipp GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS 2020“ ausgezeichnet.
Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation | 09.10.2020
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