Aktivierendes Lehren mittels Lehr-Lern-Medien fördern – Bildung unter Einbezug neuer Lerntechnologien - FOM forscht

Aktivierendes Lehren mittels Lehr-Lern-Medien fördern – Bildung unter Einbezug neuer Lerntechnologien

Viele Lehr-Lern-Medien bzw. -Tools und –Apps stehen für die Lehre zur Verfügung. Prof. Dr. Alexander Zureck vom isf Institute for Strategic Finance der FOM hat dazu eine Literaturanalyse bezogen auf die Einsetzbarkeit in der Lehre für den Finanzbereich durchgeführt.

Herr Professor Zureck, wie sind Sie bei dabei vorgegangen und was haben Sie herausgefunden?

Prof. Dr. Alexander Zureck MBA
Prof. Dr. Alexander Zureck (Foto: FOM/Tom Schulte)

Alexander Zureck: Es gibt diese Tools für verschiedene Lern-Settings: face-to-face, online und blended. In einem ersten Schritt habe ich die Besonderheit von Finance als Fach herausgearbeitet. Begabungen in Mathematik, Statistik, Accounting und analytisches Denken sind hilfreich, da ihr Einsatz häufig vorausgesetzt wird. Finance ist im BWL-Kontext Pflichtprogramm. In Summe ist die Finance-Lehre aber nicht alltagsorientiert und Studierende nehmen zu wenige direkt anwendbare Inhalte mit.

In einem zweiten Schritt habe ich die verschiedenen Medientypen analysiert und in Verbindung zu aktivierenden Lehrmethoden gesetzt. Dies habe ich dann in einen Gesamtkontext gesetzt.

Und zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Alexander Zureck: Zentrales Ergebnis war, dass Mediendiversität im Sinne eines aktivierenden Lernens benötigt wird. Auch ‚altehrwürdige‘ Bücher werden weiterhin benötigt, jedoch muss der Einsatz optimiert werden.

Wie ist das Optimieren des Einsatzes gemeint?

Alexander Zureck: Nicht der Einsatz möglichst vieler Medien ist sinnvoll für den Lernerfolg der Studierenden, sondern Studierende müssen durch den Medieneinsatz aktiviert werden – im Sinne des aktiven Lernens. Der gezielte Einsatz von Medien kann bei Studierenden zur Kollaboration, Interaktion oder Intensivierung führen bzw. sie motivieren, formal oder auch informell zu lernen und sich Inhalte langfristig zu merken. Jedes Lehrmedium erreicht dabei ein anderes Ziel.

Zur Präsentation Ihrer Analyse wurden Sie im Juli zur virtuellen „EDULEARN“, einer Konferenz, auf der jährlich Bildungsakteurinnen und -akteure aus der ganzen Welt zum Thema „Bildung und neue Lerntechnologien“ zusammenkommen, eingeladen. Welches Feedback haben Sie dort von den anderen Expertinnen und Experten erhalten?

Alexander Zureck: Ein wichtiges Feedback war, dass die Unterrichtssprache noch ein wesentlicher Einflussfaktor ist. Der Einsatz von Medien in Ergänzung zu Vorlesungen ist vor allem für Studierende hilfreich, die in einer Fremdsprache studieren. Medien können wiederholt zum Lernen genutzt werden, sodass sprachliche Defizite aufgefangen werden und es nicht zu inhaltlichen Missverständnissen kommt. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Medienaffinität jüngerer Studierender. Zwar sind die meisten Studierenden Digital Natives, jedoch wollen auch sie nicht digital überfrachtet werden.

Und wie geht es nun weiter?

Alexander Zureck: Ich schreibe gerade am Folge-Paper, in das das Feedback aus der Konferenz eingearbeitet ist. Als Ergebnis soll eine Toolbox entstehen, durch die Lehrende Medienempfehlungen für die Aktivierung von Studierenden erhalten. Gegliedert soll diese sein nach: Kollaboration, Interaktion, Motivation, Intensivierung, Langzeitgedächtnis und formellem sowie informellem Lernen.

Haben Sie hierfür ein Beispiel?

Alexander Zureck: Eine Lehrende oder ein Lehrender realisiert, dass er oder sie die Studierenden im Kontext von Finanzierung & Investition* zum Beispiel nicht für den Themenbereich „Realkredit“ motiviert bekommt. Schaut er in die Toolbox, erhält er zunächst eine Medienempfehlung – wie bspw. den Einsatz eines Internetblogs. Warum ein Blog im Kontext von Motivation? In Blogs berichten Menschen über ihr Leben und setzen dies mit lehrrelevanten Themen in Verbindung. Dies ist für Studierende motivierend, wenn es eine Erfolgsgeschichte ist. Ein entsprechendes Blogbeispiel für den Bereich Realkredit ist https://vermietertagebuch.com.

Sie lehren am Hochschulzentrum Düsseldorf – an der FOM werden ja auch zahlreiche Lern-Tools eingesetzt. Was können Sie uns hierzu in Bezug auf Ihre Analyse sagen?

Alexander Zureck: Mit der Präsenzlehreplus bieten wir unseren Lehrenden die Möglichkeit, Medien direkt in die Vorlesungen einzubinden. Wir bieten für viele Module zahlreiche Medien an. Diese werden jedoch von den Studierenden bislang noch nicht vollumfänglich genutzt. Möglicherweise könnte man diese noch stärker zur Unterstützung des situativen und kollaborativen Lernens einsetzen. Hier könnte die geplante Toolbox mit ihren Empfehlungen sicher gute Dienste leisten.

Herzlichen Dank für diese Einblicke!

*Anm. der Red.: „Finanzierung & Investition“ ist ein Bachelor-Modul an der FOM, in dem auch das Thema Realkredit behandelt wird.

Das Interview führte Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation | 20.08.2020

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