Forschung für die Lehre – und für Krisenzeiten: Wie kann die Positive Psychologie helfen? - FOM forscht

Deprecated: Die Funktion Elementor\DB::is_built_with_elementor ist seit Version 3.2.0 veraltet! Verwende stattdessen Plugin::$instance->documents->get( $post_id )->is_built_with_elementor(). in /var/www/fom-blog.de/www/wp-includes/functions.php on line 5379

Forschung für die Lehre – und für Krisenzeiten: Wie kann die Positive Psychologie helfen?

Krisenzeiten wie die aktuelle stellen für viele Menschen eine große Herausforderung dar. Die Psychologie leistet Hilfestellung dort, wo die Herausforderungen für den Einzelnen oder die Einzelne zu groß sind, um sie allein zu bewältigen. Die Prinzipien der Positiven Psychologie können dann Menschen im Rahmen einer Psychotherapie Unterstützung bieten, ihre Prinzipien können jedoch auch abseits von Therapien herangezogen werden, um den Alltag positiver, optimistischer zu gestalten. Im Zentrum stehen dabei Konstrukte wie Resilienz und Dankbarkeit.

Prof. Dr. habil. Eva Lermer vom iwp Institut für Wirtschaftspsychologie der FOM Hochschule (Foto: Jan Greune)

Prof. Dr. habil. Eva Lermer vom iwp Institut für Wirtschaftspsychologie lehrt Wirtschaftspsychologie an der FOM in München und hat ein Lehrbuch zum Thema Positive Psychologie geschrieben. Von ihr wollten wir unter anderem wissen, wie die Positive Psychologie in Zeiten wie der aktuellen unterstützen kann.

Frau Professorin Lermer, es gibt sicher viele Bücher zum Thema, was ist das Besondere an Ihrem kürzlich erschienenen Lehrbuch „Positive Psychologie“?

Eva Lermer: Dieses kompakte Buch bietet Studierenden einen raschen, wissenschaftlich fundierten Einblick in zentrale Themen der Positiven Psychologie. Damit können sich die Leserinnen und Leser zügig ein Bild von den Inhalten der Positiven Psychologie machen. Es wird erklärt, wie es zu dieser Entwicklung innerhalb der Psychologie kam und welche Kontroversen dazu heute bestehen. Alle Inhalte sind mit wissenschaftlichen Quellen versehen, sodass das Selbststudium direkt anknüpfen kann. Damit eignet sich das Buch auch als informative Literaturquelle, wenn es z. B. um die Frage nach einem geeigneten Abschlussarbeitsthema in diesem Kontext geht. Ganz konkret lernen Studierende, welche Faktoren und Umweltbedingungen für ein hohes Wohlbefinden ausschlaggebend sind. Sie erfahren außerdem, wie die Erkenntnisse der Positiven Psychologie mittels wissenschaftlicher Studien gewonnen werden und wie sie auf den Berufskontext übertragen werden können. Zudem greift das Buch Vorurteile und Kritikpunkte an der Positiven Psychologie auf und verdeutlicht, warum dieser Forschungszweig immer wichtiger wird.

Im Rahmen welcher Module befassen sich Ihre Studierenden mit der Positiven Psychologie?

Eva Lermer:  Genau genommen in allen. Der Begriff Positive Psychologie meint nicht, dass der Rest der Psychologie negativ sei. Tatsächlich ist die Mehrheit der akademischen Forschungsleistungen der Psychologie neutral und konzentriert sich weder auf Wohlbefinden noch auf Not. Beispiele dafür, was in der Psychologie unter anderem erforscht wird, sind etwa Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und Entwicklungsprozesse.

Die Positive Psychologie wuchs weitgehend aus der Wahrnehmung eines Ungleichgewichts in der klinischen Psychologie, in der sich die meiste Forschung auf psychische Erkrankungen konzentriert. Blickt man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass nahezu alle Themen der Positiven Psychologie in allen Lebensbereichen anwendungsrelevant sind; damit natürlich auch in den Bereichen Wirtschafts- und Arbeitspsychologie, wie etwa in der Führungspsychologie oder Markt- und Werbepsychologie. Ein Beispiel ist etwa das Thema positive Emotionen: Hierzu finden sich zahlreiche Studien, die bspw. positive Effekte positiver Emotionen im Lern- und Arbeitskontext belegen. So konnte etwa gezeigt werden, dass positive Emotionen positiven Einfluss auf Kreativität, Wahrnehmung und das Lösen von Problemen haben.

Die aktuelle Situation stellt für die Gesellschaft und jeden Einzelnen, jede Einzelne eine starke Belastung dar. Können Resilienz oder Dankbarkeit hier helfen? Und wenn ja, wie können wir diese aufbauen?

Eva Lermer: In jedem Fall. Resilienz ist die Fähigkeit, mit Schwierigkeiten umzugehen. Wie resilient eine Person in einer bestimmten Situation ist, hängt von verschiedenen Variablen ab. Die psychologische Forschung hat bereits eine Vielzahl an resilienzfördernden Einflüssen identifiziert. Zu den erlernbaren Fertigkeiten zählen z. B. Selbstvertrauen, also seine eigenen Stärken zu kennen, oder Optimismus, also sich beispielsweise Situationen realistisch, aber optimistisch selbst zu erklären, anstatt automatisch Negatives anzunehmen. Dankbarkeit ist eine moralische Tugend, die eine zeitlose Präsenz im menschlichen Leben hat. Wie das Konzept Dankbarkeit jedoch verstanden wird, dazu finden sich, wie auch zu Resilienz, viele verschiedene Ansätze. Als Untersuchungsgegenstand in der Psychologie hat das Thema Dankbarkeit in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erfahren, vor allem deshalb, weil Dankbarkeit sowohl Vorteile für die Gemeinschaft als auch für das Individuum hat. Mittlerweile finden sich in der Literatur zahlreiche Studien, die belegen, dass Dankbarkeit positive Effekte auf das psychische und physische Wohlbefinden hat. Ideen für Dankbarkeitsübungen finden sich heute zahlreiche, darunter auch Gratitude-Apps – im Sinne eines Dankbarkeitstagebuches – für das Smartphone. Studien haben gezeigt, dass bereits einfache Dankbarkeitsrituale, wie z. B. sich täglich bewusst zu machen, für was man dankbar ist, dazu beitragen können, das Wohlbefinden zu steigern.

Herzlichen Dank für diese Einblicke!  

 

Das Interview führte Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation | 08.05.2020

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1 × 4 =