Über die Kompetenz, souverän mit Daten umzugehen: Data Literacy an der FOM Hochschule - FOM forscht

Über die Kompetenz, souverän mit Daten umzugehen: Data Literacy an der FOM Hochschule

In Zeiten, in denen sich Informationen – auch unwahre, Stichwort „Fake News“ – immer schneller verbreiten und Quellen durch das Internet immer unüberschaubarer werden, wird die Kompetenz, souverän mit Daten umzugehen, immer wertvoller.

Prof. Dr. Bianca Krol, die wissenschaftliche Direktorin des ifes Institut für Empirie & Statistik, forscht und lehrt zum Thema Data Literacy am FOM Hochschulzentrum Essen (Foto: FOM/Tim Stender)

2017 hat sich die FOM Hochschule unter der Leitung von Prof. Dr. Bianca Krol, wissenschaftliche Direktorin des ifes Institut für Empirie & Statistik, auf den Weg gemacht, bei den FOM Studierenden diese Kompetenz, bekannt unter dem Begriff „Data Literacy“, zu entwickeln.

Frau Professorin Krol, was ist Data Literacy für Sie? Wie würden Sie es beschreiben?

Prof. Dr. Bianca Krol: Erkenntnisse aus Daten können nur dann gewonnen werden, wenn adäquate Analysen durchgeführt werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten, Erkenntnisgewinnung aus und Entscheidungsunterstützung durch Daten sind Schlüsselqualifikationen im 21. Jahrhundert. So sehen es u. a. auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, McKinsey und die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine.

In Anlehnung an die Definition der UC Berkeley, einer Vorreiterin in diesem Thema, und der deutschen Übersetzung z. B. des Stifterverbandes handelt es sich bei Data Literacy um den kompetenten, souveränen Umgang mit Daten. Dabei geht es konkret darum, wie man sie erfasst, auswertet, interpretiert, kuratiert und verwendet.

Data Literacy ist wichtig, denn es gibt vielfältige und berechtigte Kritik an dem bisherigen Umgang mit Daten und der Erkenntnisgewinnung aus diesen. Insbesondere die sogenannte Inferenzstatistik steht dabei in der Diskussion. „Statistische Signifikanz“ und der oft nicht korrekt interpretierte p-Wert sind hier zwei Beispiele. Im renommierten wissenschaftlichen Fachmagazin „Nature“ haben im Frühjahr sogar drei Wissenschaftler dazu aufgerufen, den Begriff der „Signifikanz“ in wissenschaftlichen Arbeiten nicht mehr zu verwenden. Es geht bei der aktuellen Debatte – die nicht nur innerhalb der fachlichen Community stattfindet, sondern bereits in der Gesellschaft angekommen ist, wie man jüngst auch der ZEIT und der Süddeutschen entnehmen konnte – darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Unsicherheit und Zufall allgegenwärtig und in den Interpretationen entsprechend zu berücksichtigen sind.

Und dieses Bewusstsein möchten Sie bei den Studierenden der FOM stärken. Wie gehen Sie dabei vor?

Prof. Dr. Bianca Krol: Seit zwei Jahren unterstützen wir Studierende dabei, Data Literacy als Kompetenz zu entwickeln, wie es z. B. auch an der UC Berkeley umgesetzt wird. Technologie ermöglicht es, statistisches Denken, also Erkennen von Unsicherheit und Zufall sowie die Auswahl der jeweils angemessenen Analyse und Schlussmöglichkeiten, sowie informationstechnisches Denken, wie z. B. den Umgang mit Daten und Grundideen der Programmierung, mit echten, relevanten Fragestellungen zu verbinden und so Ausschnitte der realen Welt zu modellieren.

Wir nutzen Technologie an verschiedenen Stellen und auf verschiedenen Stufen, z. B. Standardsoftware zur Datenanalyse, interaktive Apps und Methoden wie das Bootstrapping, für das der US-amerikanische Statistiker der Stanfort University Bradley Efron den International Prize in Statistics 2019 erhielt.

Besonders wichtig ist uns dabei, dass diese Kompetenz nicht nur in statistischen Modulen entwickelt wird, bei denen es inhaltlich ohnehin um das Thema und die entsprechenden Befähigungen geht. Wir streben auch die Verankerung in den fachlichen Modulen an.

Als eine der größten Hochschulen in Deutschland und als die Hochschule für Berufstätige hat die FOM dem Stiftungsauftrag gemäß eine besondere Verantwortung. Die Digitalisierung und zunehmende Verfügbarkeit von Daten sind Realität und sollten sowohl in der Wissenschaft als auch in Unternehmen verantwortungsvoll genutzt werden.

Insbesondere im Bereich Daten und deren Analyse hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Wir greifen dies auf, was natürlich nicht bedeutet, dass die Inhalte der Vergangenheit falsch sind. Im Gegenteil, wir sollten unseren reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatz nutzen, aber wir haben heute Möglichkeiten, die wir früher nicht hatten. Dabei stehen wir im engen internationalen fachlichen Austausch, was man auch an unseren Beiträgen innerhalb des akademischen Diskurses sehen kann.

In Bezug auf die Vernetzung innerhalb der deutschen Fach-Community kann man Ihnen aktuell auch gratulieren – die FOM Hochschule wurde durch Ihre engagierten Data Literacy-Aktivitäten aufgenommen in das Data Literacy Education Netzwerk des Stifterverbandes. Was können Sie uns dazu sagen?

Prof. Dr. Bianca Krol: Vielen Dank, ja, darüber freuen wir uns sehr. Dabei geht es darum, die Köpfe der Data Literacy-Community in der deutschen Hochschullandschaft zusammenzubringen, damit diese sich gegenseitig bei Ihrem Prozess, Data Literacy-Education in die Curricula zu integrieren, unterstützen und gemeinsam Good Practices ableiten. Am 22. Oktober wird in Bonn ein erstes Netzwerktreffen stattfinden, aus dem Arbeitsgruppen entlang von Data Literacy-Themen entstehen sollen, die uns als Hochschulen beschäftigen. Das Netzwerk soll zudem die Möglichkeit für Peer-to-Peer-Beratungs- und Unterstützungsformate bieten.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Data Literacy in der Lehre bislang gemacht?

Prof. Dr. Bianca Krol: Wenn man einen neuen Fokus in der Lehre setzt, muss man auf ein paar alte, liebgewonnene Inhalte verzichten. Das bedeutet ein Umdenken und auch Mehrarbeit, doch entspricht das auch dem Bildungsauftrag, sich mit neuen Methoden auseinanderzusetzen und diese bei Tauglichkeit zu implementieren.

Die Rückmeldung, die wir von den Studierenden erhalten, ist, dass sie deutlich sicherer werden in ihrem Umgang mit Daten. Das kommt den Studierenden zugute und da diese in der Mehrzahl berufstätig sind, tragen sie diese Befähigung in ihre Unternehmen. Das kommt den Unternehmen zugute – und dies wiederum hilft der Gesellschaft. Informationen werden anders betrachtet und auch Fake News können so schneller enttarnt werden. 

 

Für das Data Literacy Education Netzwerk wurden die folgenden Hochschulen ausgewählt: 

  • Freie Universität Berlin
  • Universität Bielefeld
  • Hochschule Bremerhaven
  • FOM Hochschule
  • Universität Göttingen
  • HAW Hamburg
  • Universität Hamburg
  • Ernst-Abbe-Hochschule Jena
  • Leuphana Universität Lüneburg
  • Hochschule Mannheim
  • Philipps-Universität Marburg
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Universität Regensburg
  • Universität Trier

Das Interview führte Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation | 22.07.2019 

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