Nachbericht zum 64. GfA-Frühjahrskongress: Der Mensch ist kein Untertan der Digitalisierung - FOM forscht

Nachbericht zum 64. GfA-Frühjahrskongress: Der Mensch ist kein Untertan der Digitalisierung

Über 200 Fachvorträge für 350 Teilnehmer aus Forschung, Lehre und Wirtschaft zum Thema Arbeitswelten der Zukunft – Wertschätzung und Unterstützung als wichtige Pfeiler – Der Mensch kein Untertan der Digitalisierung – ein Nachbericht:

Wie sich die Arbeit in der Zukunft auch entwickelt, Wertschätzung sollte ein wichtiger Bestandteil sein. Darin waren sich die Keynote-Speaker Juhani Ilmarinen und Ralf Münchow einig.

Münchow, stellvertretender Leiter der Projektgruppe ‚Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft` des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) drückte es so aus: Geschäftsmodelle und -felder ändern sich, wichtig sei dabei, welche Wertschätzung der einzelne Mensch dann noch für seine Arbeit erhalte. Seines Erachtens solle man sich beim Thema Arbeitswelten der Zukunft nicht nur auf Digitalisierung, Roboterisierung & Co. konzentrieren, sondern vor allem auf die Weiterentwicklung von Arbeitszeit, -ort und Arbeitsbedingungen.

Wichtig sei auch die Aufklärung, um den Bürger/innen die Angst vor der Digitalisierung und einem Wegfall von Arbeitsplätzen oder der Wertschätzung für Menschenarbeit zu nehmen. Die Digitalisierung sei ein Werkzeug des Menschen – nicht der Mensch Untertan der Digitalisierung.

Der finnische Prof. Dr. (em.) Juhani Ilmarinen, der in verschiedenen Ländern zum Thema Arbeitsfähigkeit und -wohlbefinden forscht, bezeichnet Arbeitsfähigkeit als unser wichtigstes Kapital. Seine Längsschnittstudie zum Thema untersucht, was Arbeitsfähigkeit ist und wie man sie fördern kann.

Im visuellen Konzept „Haus der Arbeitsfähigkeit“ stellte Prof. Ilmarinen heraus, dass die verschiedenen menschlichen Ressourcen, wie z. B. Werte und Motivationen, mit der Arbeit zusammenpassen sollten. Ändere man einen Faktor, habe das Einfluss auf die anderen. In einem beschriebenen Versuch konnte so bspw. innerhalb von nur zwei Jahren die Empfindung eines Studienteilnehmers über seine „Arbeitsfähigkeit bis zum Rentenbeginn“ von „nicht möglich“ zu „möglich“ geändert werden.

Wichtig seien vor allem die Faktoren Anerkennung, positive Rückmeldung, Vertrauen, gerechte Behandlung und Unterstützung. Ilmarinen fand heraus, dass deutschen Vorgesetzten im Gegensatz zu denen anderer Ländern oftmals eine Rückmeldungskultur in Bezug auf Positives fehle.

Kristina Stegner von der Prognos AG fragte sich in ihrer Keynote, was uns in der Arbeitswelt der Zukunft erwarte und welche Weichen dafür zu stellen seien. Die Tatsache, dass Dienste und Produkte rund um die Uhr verfügbar sind, sei Segen und Fluch zugleich. Es erfordere, aber ermögliche zugleich auch flexibles Arbeiten sowie individuelle Ansprüche. Das könne leicht in Überlastung münden, aber auch in der Möglichkeit, Arbeits- und Familienzeit besser kombinieren zu können. Durch Home-Office-Lösungen können z. B. Pendelzeiten wegfallen, ländliche Gebiete wieder attraktiv werden und unattraktive Tätigkeiten an Attraktivität gewinnen. Wichtig sei hier die richtige Beratung und Unterstützung.

Gastgeber Prof. Dr. Klaus Bengler, Präsident der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft, Prof. Dr. Thomas Heupel, Prorektor Forschung der FOM Hochschule, und Prof. Dr. Andreas Löhr, Gesamt-Studienleitung des FOM Hochschulzentrums Frankfurt eröffneten den Haupttag der Tagung.

Vom 21. bis 23. Februar 2018 trafen sich rund 350 Arbeitswissenschaftler/innen, Forschende und Wirtschaftsvertreter/innen auf dem 64. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft mit dem Titel „ARBEIT(S).WISSEN.SCHAF(F)T – Grundlage für Management & Kompetenzentwicklung“ am FOM Hochschulzentrum Frankfurt.

Parallel konnten sie sich in 200 Vorträgen, Workshops & Doktorandenwerkstätten informieren und austauschen. Die Themen waren vielfältig: „Mensch-Maschine-Schnittstelle in der industriellen Produktion“, „Anforderungen an Führungskräfte im Rahmen von Industrie 4.0“, „Virtual Reality“, „Arbeit und Big Data“, „Psychische Gesundheit“, „Individuelle und organisationale Zeitkompetenz“, „Unterschiede in der Bewältigung von Anforderungen berufsbedingter Mobilität“, „Qualifizierungsbedarfe in Unternehmen für den Einsatz von Digitalisierung und Industrie 4.0“, „Arbeitswelten der Zukunft: Erleben. Erlernen. Gestalten“, „Gestaltung der Produktivität durch Nutzung der Digitalisierung“, „Spannungsfeld Arbeitswissenschaft und Management“, „Kompetenzmanagement“ und viele mehr.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A., Referentin Forschungskommunikation, 06.03.2018