„Kein Grund zum Feiern“: 10 Jahre Equal Pay Day in Deutschland - FOM forscht

„Kein Grund zum Feiern“: 10 Jahre Equal Pay Day in Deutschland

Prof. Dr. Anja Seng zu Gast beim BPW Business and Professional Women Club Essen (Foto: Sina Falker)
Prof. Dr. Anja Seng zu Gast beim BPW Business and Professional Women Club Essen (Foto: Sina Falker)

21.03.2017 – Am 18. März 2017 hat sich der Equal Pay Day in Deutschland zum zehnten Mal gejährt. Ein Grund zum Feiern? Nicht so wirklich, findet Prof. Dr. Anja Seng. Die FOM Rektoratsbeauftragte für Diversity Management war zu Gast beim BPW Business and Professional Women Club Essen und zog mit Blick auf den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied eine ernüchternde Bilanz. „Der Gender Pay Gap – also der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen – lag 2016 bei 21 Prozent“, stellte sie im Rahmen ihres Impulsvortrages heraus. „Während Männer 20,71 Euro pro Stunde verdienten, kamen Frauen auf gerade mal 16,26 Euro. Umgerechnet heißt das, dass Frauen 2017 an 77 Tagen umsonst arbeiten werden.“

Trotz dieser erschreckenden Fakten: Eine schnelle Lösung für das Problem hatte auch die FOM-Professorin nicht parat. „Wer sich mit der Thematik befasst, steckt bald tief in einer gesellschaftlichen Diskussion rund um Kultur, Sozialisation, Wertebilder und auch Bildung.“ So berichtete Mandy Hindenburg, Präsidentin des BPW Essens, dass sie – sozialisiert in den neuen Ländern – geschlechtsspezifische Stereotype und unterschiedliche Entgeltgestaltung erst im Westen erfahren habe.

Prof. Dr. Seng beleuchtete auch das aktuell diskutierte Entgelt-Transparenz-Gesetz. Sie stellte heraus: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass in Deutschland offen über Gehälter gesprochen wird, und bezweifle daher, dass dieser Vorstoß aus der Politik wirklich zu einer Reduzierung des Gaps führen wird.“ Stattdessen appellierte sie an ihre Zuhörerinnen, selbst aktiv zu werden. „Über die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu schimpfen, bringt uns kaum weiter. Wir sollten daher bei uns selbst anfangen: Überlegen Sie, wie Sie Ihre persönliche Situation ändern können.“. Sie empfahl, die eigene Verhandlungskompetenz zu hinterfragen und ggf. auszubauen. „Gestalten Sie Ihre eigene Strategie, um sich und Ihre Leistungen ins rechte Licht zu rücken und starten Sie auf dieser Basis und gut vorbereitet in Gehaltsgespräche“, gab sie den Anwesenden mit auf den Weg. „Denn nur, wenn Frauen auf sich aufmerksam machen und sich gegenseitig unterstützen, gelingt Equal Pay.“

Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation

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