Vom Umgang mit den Herausforderungen im Gesundheitswesen: Rückblick auf die 10. Schliersee-Konferenz - FOM forscht

Vom Umgang mit den Herausforderungen im Gesundheitswesen: Rückblick auf die 10. Schliersee-Konferenz

17.02.2017 – Ende Januar 2017 trafen sich bereits im zehnten Jahr Medizinerinnen und Mediziner, Krankenhausmanagerinnen und -manager, IT-Anbieter, Krankenhausberaterinnen und -berater sowie Forscherinnen und Forscher im Rahmen der von der Allgeier IT Solutions GmbH und Heino Kuhlemann organisierten Schliersee Konferenz in Geitau/Bayrischzell. Sie diskutierten über aktuelle und zukünftige Optionen zur Lösung der vielschichtigen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Zu den zahlreichen innovativen und spannenden Vorträgen gehörten u. a. die folgenden:

  • Reiner Kasperbauer, Geschäftsführer des MDK Bayern, berichtete über die Neuorganisation der IT- bzw. plattformgestützten Befunddatenhandhabung durch den MDK. Wichtig hierbei seien insbesondere Aspekte wie Datensicherheit, Datenschutz und Qualitätssicherung, betonte er. (Link zum Kurzinterview)
  • Roman Hipp, Partner bei Porsche Consulting, präsentierte die Ergebnisse einer Studie zum Umsetzungsstand des Lean Management in deutschen Krankenhäusern. Dabei ging er auch auf die praktische Herausforderung ein, einen ganzheitlichen Managementansatz zunächst in einzelnen Teilbereichen einer Klinik umzusetzen und dann Schritt für Schritt weiter auszubauen.
  • Harald Jeguschke, kaufm. Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, stellte ein Projekt zur Überwindung der intersektoralen Grenzen in der Patientenversorgung durch den Einsatz einer standardisierten Kommunikationsplattform vor. Hierdurch können krankenhausinterne Personen, einweisende und nachbehandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie kooperierende Kliniken effektiv und effizient auf alle erforderlichen Informationen zugreifen.
  • Eva Deutsch, GBS Watson Healthcare Campaign Leader Europe, erläuterte die Potenziale kognitiver Systeme für das Gesundheitswesen. Ihre These: Mit Hilfe moderner Technologien können medizinische Texte (z. B. Arztbriefe, Befunde oder OP-Berichte) automatisiert analysiert, weiterverarbeitet und aufbereitet werden. Auch medizinische Fachliteratur könne auf diese Weise automatisiert „verstanden“ und mit den Behandlungsergebnissen abgeglichen sowie für die Behandelnden verfügbar gemacht werden. Schließlich besteht die Möglichkeit zur Auswertung in Archiven und IT-Systemen vorhandener, großer Datenbestände, um zu neuen Erkenntnissen z. B. für Forschung und Qualitätsverbesserungen zu gelangen. (Link zum Kurzinterview)
  • Thomas Ganter, IT-Leiter der Medical Park AG, verglich in seinem bewusst herausfordernden Vortrag die im Gesundheitswesen vorhandene IT-Kompetenz mit der Situation in anderen Branchen. Er stellte die Notwendigkeit für Kliniken heraus, zukünftig schneller die erforderlichen IT-Innovationen anzugehen und die entsprechenden Ressourcen verfügbar zu machen.
  • Dr. med. Siegfried Jedamzik, Facharzt für Allgemeinmedizin und Geschäftsführer der Bayerische Telemedallianz, präsentierte die Erkenntnisse aus dem Betrieb eines mit Notfall-Medizinerinnen und Medizinern besetzten „Call Centers“ zur besseren Steuerung des Patientinnen- und Patientenaufkommens in der Notfallambulanz. Die Anrufenden erhalten auf Basis einer praxiserprobten, intensiven Befragung eine Hilfestellung bei der Entscheidung über die nächste Anlaufstelle, z. B. die Apotheke, den Hausarzt oder das Krankenhaus. (Link zum Kurzinterview)
  • Thomas Balling, stellv. IT-Leiter des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt, berichtete über die sehr selten praktizierte Eigenentwicklung eines Krankenhausinformationssystems (KIS) durch die krankenhausinterne IT-Abteilung. Dies sei ein wichtiger Schritt für das Krankenhaus auf dem Weg zu einer effizient nutzbaren elektronischen Patientenakte und der generell erforderlichen Digitalisierung, so Balling. Die dazu notwendigen Erfahrungen des Krankenhauses gehen bis in die 1990er Jahre zurück. Die Anwenderfreundlichkeit des KIS sei infolge der direkten Abstimmung mit den Anwendern sehr hoch, die daraus resultierende Anwenderzufriedenheit ebenfalls. (Link zum Kurzinterview)
  • Mein eigener Vortrag drehte sich um den Einsatz von Process Mining und Text Mining zur Verbesserung der Prozesse und der Qualität im Krankenhaus. Ich habe erläutert, wie die vielen unterschiedlichen Behandlungswege der Patientinnen und Patienten durch ein Krankenhaus effizient erfasst und analysiert werden können. Weiterhin habe ich die Potenziale aufgezeigt, die in der automatisierten Auswertung von im Internet vorhandenen Meinungsäußerungen von Patientinnen und Patienten, Angehörigen, Mitarbeitenden usw. in Bezug auf das Qualitätsmanagement und das Marketing bestehen. (Link zum Kurzinterview)

In einer abschließenden Podiumsdiskussion wurde insbesondere beleuchtet, in welchen Bereichen der Gesundheitsmarkt effizient aus anderen Branchen lernen kann und wie der Wandel zur „Arbeit 4.0“ im Gesundheitswesen gelingt. Letzteres erfordere insbesondere eine entsprechende Qualifizierung aktueller und zukünftiger Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung, so die Meinung der Teilnehmenden. Diesem Aspekt wird auch bei der FOM durch die Gründung eines auf die Digitalisierung ausgerichteten Instituts Rechnung getragen: dem ifid Institut für IT-Management & Digitalisierung unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Kern und Prof. Dr. Rüdiger Buchkremer. Einen interessanten und facettenreichen Input bzgl. der Übertragung von Erkenntnissen aus anderen Branchen auf das Gesundheitswesen liefert das gerade im Springer Gabler Verlag erschienene Buch Neuvermessung des Gesundheitswirtschaft unter der Herausgeberschaft von FOM-Professor Dr. David Matusiewicz.

Prof. Dr. Thomas Russack, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (insb. Strategie und Organisation) an der FOM Hochschule

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