Zwischen Digitalisierung und demografischem Wandel: Öffentliche Verwaltungen setzen auf strategisches Personalmanagement

20.10.2016 – Neue Politikstrukturen, demografischer Wandel, gesellschaftlicher Wertewandel, ökonomische Faktoren, Digitalisierung und Virtualisierung – so lauten die Herausforderungen, mit denen sich öffentliche Verwaltungen jetzt und in Zukunft befassen müssen. Wie der Umgang mit diesen Modernisierungstreibern gelingen kann, stand im Zentrum einer Tagung der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Mitte Oktober in Speyer. Die Perspektive des Personalmanagements vertrat dabei Prof. Dr. Gottfried Richenhagen.
Der Direktor des ifpm Institut für Public Management der FOM Hochschule rückte das strategische Denken in den Fokus seiner Zuhörerinnen und Zuhörer. „Strategieorientierung ist die Voraussetzung dafür, dass das Personalmanagement trotz turbulenter Umfeldbedingungen das richtige Personal bereithält“, so Prof. Dr. Richenhagen. „Dabei sind auch Kompetenz- und Arbeitsfähigkeitsmanagement von enormer Bedeutung: Mit ihrer Hilfe lässt sich sicherstellen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuelle und zukünftige Aufgaben besser und lange erledigen können.“ Teil der Verwaltung 2030 sollten darüber hinaus neue Führungsstile und -konzepte sein, die die gewandelten Werte aller Generationen berücksichtigt. Auch neue Wege und Zielgruppen der Rekrutierung sowie die Entwicklung einer Arbeitgebermarke würden eine große Rolle spielen. „Sie gewährleisten, dass die richtigen Nachwuchskräfte gewonnen und die bestehende Belegschaft langfristig gebunden werden.“
Mit der Frage, wie ein professionelles Kompetenzmanagement bei öffentlichen Verwaltungen aussehen könne, setzte sich der ifpm-Experte intensiver auseinander. Eine wichtige Hilfe auf dem Weg dorthin seien die sogenannten Job-Familien. „Jede Stelle einer Organisation wird genau einer Familie zugeordnet“, erläuterte Prof. Dr. Richenhagen. Jede Familie umfasse Kernaufgaben, die von allen Stelleninhabern zu erledigen sind. Die zu dieser Erledigung notwendigen Kernkompetenzen werden aus einem umfassenden, strategisch orientierten Kompetenzmodell ausgewählt. „Dieses Konzept vereinfacht die Arbeiten in vielen Handlungsfeldern des öffentlichen Personalmanagements – von der Planung über die Beschaffung und Auswahl bis zur Entwicklung und Führung.“ Allerdings gäbe es keinen „one-best-way“, um zu einer optimalen Job-Familien-Konstruktion zu kommen, warnte der Personalfachmann. „Es empfiehlt sich die Erarbeitung in Form einer Projektarbeit und auf Basis von Workshops. Dabei sollte man auf jeden Fall ergebnisoffen vorgehen.“
Im Rahmen des Vortrags präsentierte Prof. Dr. Richenhagen auch Forschungsergebnisse aus den Projekten DAQkommunal – Demografieaktive Qualifizierung in Kommunen und Kreisen (gefördert im Rahmen der Initiative weiter bilden durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds) sowie Integration der Kompetenzfeststellung und Entwicklung, insbesondere bei älteren und weiterbildungsfernen Beschäftigten in das Strategische Kompetenzmanagement (gefördert im Rahmen des Förderprogramms „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ des BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung). Die Folien zum Vortrag stehen als PDF-Datei zum Download bereit.
Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation
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