„Mut machen und mitmachen“ – Prof. Dr. Richenhagen plädiert für ein neues Verhältnis zwischen Staat und Bürgern - FOM forscht

„Mut machen und mitmachen“ – Prof. Dr. Richenhagen plädiert für ein neues Verhältnis zwischen Staat und Bürgern

31.10.2016 – Die Telefonseelsorge Niederrhein/Westmünsterland kann sich über den Förderpreis 2016 des Lions Club Wesel freuen. Passend zur Auszeichnung dieses ehrenamtlichen Engagements fiel auch die Festrede von Prof. Dr. Gottfried Richenhagen aus. Der Direktor des ifpm Institut für Public Management und wissenschaftliche Studienleiter der FOM Wesel plädierte für ein neues Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgerinnen und Bürgern. Gefragt seien mehr Partizipation und Beteiligung an der Erstellung staatlicher Leistungen.

Ausgangspunkt seines Vortrages: die unbeständige, unsichere, komplexe und mehrdeutige Umgebung, in der wir momentan leben – auch bekannt als VUKA-Welt. „Hinter dieser Abkürzung verbergen sich die Begriffe Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität“, erläuterte Prof. Dr. Richenhagen. „Sie äußern sich beispielsweise in der Geschwindigkeit, mit der sich Gesellschaft und Wirtschaft verändern, oder der Tatsache, dass wir unsere bisherigen Interpretationsmuster nicht mehr anwenden können.“ Trends wie Globalisierung und Digitalisierung würden diese Entwicklung ebenso vorantreiben wie die globalen Krisen der vergangenen beiden Dekaden. Die Folge: „Viele Menschen sind verunsichert, machen sich Sorgen und haben Angst.“

Dieser Stimmung lasse sich nur mit einer klugen Politik sowie durch „Mut machen“ entgegentreten. „Das bedeutet, sich auf das Potenzial einer Gesellschaft und einer Volkswirtschaft zu stützen, der es nach dem moralischen und wirtschaftlichen Bankrott zweier Weltkriege gelungen ist, ein herausragendes Grundgesetz zu schaffen, eine soziale Marktwirtschaft aufzubauen, die Wiedervereinigung zu stemmen und wieder ein geachtetes Mitglied der Weltgemeinschaft zu werden“, so der ifpm-Experte. Voraussetzung dafür sei allerdings, die Rolle des Staates zu überdenken. „Wir brauchen einen Gewährleistungsstaat, der das Beste aus der neo-liberalistischen Staatsauffassung und der Idee des Sozialstaates zu einer neuen Einheit verbindet. Er aktiviert die Bürger durch direkte Partizipation und beteiligt sie an der Erstellung staatlicher Leistungen.“ Die Bürger würden dadurch zu aktiven Mitproduzenten öffentlicher Dienstleistungen sowie staatlicher Planungs- und Steuerungsprozesse.

Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeige die Flüchtlingskrise. „Ohne die Beteiligung zahlreicher gesellschaftlicher Gruppen, ohne die Beteiligung der Kirchen und sozialen Organisationen, von vielen einzelnen Bürgern, die keinem Verein und keiner Organisation angehören, wären die Herausforderungen des Flüchtlingsstroms nicht zu bewältigen gewesen“, ist Prof. Dr. Richenhagen überzeugt. Der Staat habe die dafür nötige Gewährleistungsstruktur geschaffen – und solle dies auch in Zukunft übernehmen. Die Umsetzung dieses Konzeptes sei aber nur dann möglich, wenn sie mit einem gesellschaftlichen Neubeginn, mit einem neuen Gesellschaftsvertrag verknüpft werde – so seine abschließende Botschaft.

Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation

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