„Aktien sind die Alternative zur Immobilie“ - FOM forscht

„Aktien sind die Alternative zur Immobilie“

Christian W. Röhl
Christian W. Röhl

30.03.2016 – „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ lautet der Titel des neuen Buches von Christian W. Röhl. Ein prüfender Blick auf den Inhalt zeigt: Der Vorsitzende des Fachbeirats des isf Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule liefert, was er und sein Co-Autor Werner H. Heussinger versprechen – nämlich Tipps zur Entwicklung individueller Anlagestrategien. Worauf es dabei ankommt und warum Dividenden die besseren Mieten sind, verrät Christian W. Röhl im Interview.

Wie ist die Idee zu dem Buch entstanden?

Christian W. Röhl: 2010 haben die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und das isf erstmals untersucht, wie Aktiengesellschaften ihre Anteilseigner entlohnen. Mittlerweile führen wir diese Dividendenstudie jährlich durch und werden in diesem Zusammenhang immer wieder mit Fragen nach einem Big Picture konfrontiert. Das Buch ist unsere Antwort darauf: ein genereller Approach zu den Themen Investment und Dividenden.

Und damit liegen Sie voll im Trend. Schließlich verkünden sowohl Experten als auch Fachmedien bereits seit einiger Zeit: „Dividende ist der neue Zins“.

Christian W. Röhl: Ohne Frage eine griffige Losung, obwohl oder gerade weil sie an die Diktion durchgeknallter Fashion-Fuzzis („Rot ist das neue Grün“) oder die verbale Beruhigungspille gegen Midlife-Crisis („Vierzig ist die neue Dreißig“) erinnert. Aber geschenkt. Alles, was nur ein bisschen hilft, das verkümmerte Pflänzchen namens Aktienkultur ein bisschen hochzupäppeln, ist erst einmal begrüßenswert.

Doch wie das halt so ist mit coolen Sprüchen: Man darf sie nicht allzu wörtlich nehmen. Denn Dividenden und Zinsen, Aktien und Anleihen sind nun mal zwei verschiedene Welten. Und wer in Dividendentitel investiert und dabei ganz bequem seine Ansprüche, Gewohnheiten und Verhaltensmuster aus der kuscheligen Sparbuch-Welt kultiviert, wird früher oder später herbe Enttäuschungen erleben und brutale Verluste erleiden. Das gilt übrigens auch für Menschen, die durch geschicktes Trading aus 1.000 Euro innerhalb eines Jahres 10.000 Euro machen wollen. Das funktioniert schlicht nicht. Wer auf Dividenden setzt, entscheidet sich für die Langstrecke, nicht für den Sprint.

Passender wäre also „Dividenden sind die bessere Miete“?

Christian W. Röhl: Definitiv. Aktien sind meiner Meinung nach die Alternative zur Immobilie. Man investiert in krisensichere Sachwerte wie Maschinen, Patente, Lizenzen… Das jeweilige Portfolio kann man im Grunde wie ein Mehrfamilienhaus betrachten. Das Startkapital war sozusagen der Kaufpreis, die Aktien sind quasi die Bewohner und was im Depot die Dividende ist, heißt beim Haus halt Miete – bedeutet aber im Kern dasselbe: laufende Erträge, die regelmäßig aufs Konto tickern und die der Grund dafür sind, dass man überhaupt investiert hat.

Allerdings haben Aktien einen großen Vorteil gegenüber Immobilien: Bei Wertpapieren fällt keine Instandhaltung an, und auch der Verwaltungsaufwand ist marginal. Analysieren, ordern, abheften, kassieren – dafür muss man nicht einmal im Lande sein. Denn weder rufen Aktien nachts an, weil ein Wasserrohr geplatzt ist, noch streiten sie miteinander, wer die Treppe putzen muss.

DividendenkassierenWie das in der Praxis funktioniert, erläutern Sie in Ihrem Buch?

Christian W. Röhl: …und zwar so, dass es auch jemand versteht, der bislang noch nie einen Gedanken an Aktien verschwendet hat. Mit vielen Praxisbeispielen und Anekdoten sowie jeder Menge Tabellen, Abbildungen und Musterportfolios.

Dabei konzentrieren wir uns im Grunde auf drei Themen. Erstens: die grundsätzliche Einordnung von Aktien als Anlagealternative zu Zins und Immobilien. Im zweiten Teil geht es dann um Fragen wie: Woran kann man Unternehmen mit wirklich guten Dividenden erkennen? Und was sind Indikatoren für eine nachhaltige Ausschüttungsqualität? Last but not least liefern wir konkrete Strategien, die Anleger sofort umsetzen können.

Dabei fließt vermutlich Ihre 25-jährige Finanzmarkt-Erfahrung ebenso ein wie Erkenntnisse aus der Dividenden-Studie…

Christian W. Röhl: Das Grundgerüst für den zweiten Teil des Buches bildet in der Tat das sogenannte „Magische Viereck“, das ich im Zuge der letzten Studie verfeinert habe. Es beinhaltet die Kriterien, anhand derer man sich für die Aktien eines Unternehmens entscheidet, und spiegelt das Magische Viereck der VWL wider. Dieser Vierklang aus Dividendenkontinuität, Ausschüttungsquote, Wachstum und Rendite lässt sich natürlich nicht 100-prozentig auf alle Unternehmen übertragen, bietet aber eine sehr gute Orientierungshilfe.

Apropos Orientierungshilfe: Wie sind Sie vor 25 Jahren in das Thema Kapitalmarkt gestartet?

Christian W. Röhl: Meinen ersten Berührungspunkt hatte ich in der Tat 1990 – genauso wie im ersten Kapitel des Buches geschildert. Damals hat mir mein Großvater eine Silvesteranleihe mit neun Prozent Zinsen erklärt und meine Leidenschaft für Finanzmärkte entfacht – die ich dann ab 1995 zum Beruf gemacht habe.

2010 folgte dann die erste Dividenden-Studie… Was gab den Impuls dafür?

Christian W. Röhl: 2007 haben Werner H. Heussinger und ich unser gemeinsames Unternehmen verkauft. Damals standen wir vor der Frage: Was machen wir mit dem Erlös – und dividendenstarke Aktien waren eine Antwort. Das blieb natürlich auch unserem langjährigen Freund und Wegbegleiter Prof. Dr. Dr. habil. Eric Frère nicht verborgen. Er kam dann schließlich mit der Idee zur Studie auf mich zu. Frei nach dem Motto: Du befasst dich doch privat intensiv mit dem Thema, willst du das nicht mal wissenschaftlich aufsetzen. Und so kam das Ganze ins Rollen…

Bei der ersten Studie haben Sie 500 Unternehmen untersucht. Inzwischen sind es 1.000. Wie viel Aufwand ist damit für Sie verbunden?

Christian W. Röhl: Über die Jahre haben wir eine Plattform aufgebaut, die viele Prozesse erleichtert. Trotzdem gibt es kein zentrales System, in dem man die wichtigsten Daten ablesen kann. Wir müssen viele Informationen einzeln raussuchen, analysieren und vergleichen. Sehr häufig arbeiten wir dabei zum Beispiel mit dem Bloomberg-Terminal, das für Recherchezwecke auch den Studierenden der FOM zur Verfügung steht. Das Ergebnis: die umfangreichste Untersuchung zum Ausschüttungsverhalten in Deutschland.

Am 6. April 2016 verkünden Sie die Ergebnisse der neuen Studie. Können schon einen Ausblick geben?

Christian W. Röhl: Wir starten erst am 31. März mit der konkreten Auswertung. Aber ein paar Sachen sind schon spruchreif. Zum Beispiel: 2016 werden über 40 Milliarden Euro Dividenden ausgeschüttet. Das liegt nur wenig über den 39 Milliarden von 2015. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass in diesem Jahr zwei große Dividendenzahler wegfallen: die Deutsche Bank und RWE. Absolut betrachtet am meisten zahlt mit ca. 3,5 Milliarden Euro übrigens Daimler; zuverlässigster Zahler ist Fresenius – mit 24 Dividendenanhebungen in Folge.

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