Green Logistics: Welche Rolle spielen nachhaltige Logistikprozesse bei Kaufentscheidungen? - FOM forscht

Green Logistics: Welche Rolle spielen nachhaltige Logistikprozesse bei Kaufentscheidungen?

Ob eine Jeans ihren Weg von der Fabrik in den Laden per Schiff oder Flugzeug, Bahn oder LKW zurücklegt, spielt für potenzielle Kunden eine untergeordnete Rolle. Wichtiger für einen nachhaltig orientierten Kauf sind andere Faktoren. Zum Beispiel die Anbaumethode der Baumwolle oder die Arbeitsbedingungen der Pflücker. Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Matthias Klumpp, Prof. Dr. Julia Naskrent und Dr. Nikolaus A. D. Hohl in ihrer Untersuchung „Relevant Purchase Criteria or Basic Requirement: Customer Perspectives on Green Logistics“, die sie am 18. September bei der HICL Hamburg International Conference of Logistics präsentieren.

Die drei FOM Wissenschaftler haben rund 350 Berufstätige im Rahmen einer Conjoint-Analyse nach ihrer Kaufbereitschaft zu verschiedenen Produkten mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsmerkmalen befragt: Wählen Kunden trotz eines hohen Preises ein Produkt, welches sehr nachhaltig produziert und transportiert wurde? Steigt die Kaufbereitschaft für günstige Produkte ohne sozial verantwortliche Produktionsmethoden? Die Antworten zeigen: „Die wenigsten Kunden zeigen eine Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Logistikprozesse“, so Prof. Dr. Klumpp, Direktor des ild Institut für Logistik- und Dienstleistungsmanagement. „Selbst Befragte mit großer Affinität zu ökologischen und ganzheitlichen Fragestellungen zeigen eine geringe finanzielle Wertschätzung von Produkten, die beispielsweise per Zug statt per LKW transportiert werden.“ Die Schlussfolgerung der Experten: Das Problembewusstsein für die Umweltwirkung der Logistik ist noch nicht so stark wie das für die biologische Landwirtschaft.

Um diese Einstellung zu ändern seien auch die Unternehmen gefragt, betont Prof. Dr. Naskrent vom KompetenzCentrum für Marketing & Medienwirtschaft. „Sie müssen klar kommunizieren, dass sie auf Green Logistic setzen, und gleichzeitig erklären, was sich dahinter verbirgt und wo die ökologischen Vorteile liegen.“ Dann wäre auf Seiten der Kunden auch die Bereitschaft da, sich für ein nachhaltig transportiertes Produkt zu entscheiden – und entsprechend mehr dafür zu zahlen. Ein ausführliches Arbeitspapier zu dieser Untersuchung erscheint im Herbst.

Stefanie Bergel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

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