Der „Missing Link“ zwischen unserem ökonomischen und sozialen System
Eine Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ist ohne Zweifel die intensive Auseinandersetzung mit Corporate Responsibility und Nachhaltigkeit: Immer mehr Unternehmen, Organisationen und Initiativen sind auf der Suche nach effizienteren Wegen, mit den vorhandenen Rohstoffen und Ressourcen wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wird immer deutlicher, dass in der Art und Weise, wie Institutionen und Individuen Produkte und Dienstleistungen erstellen und konsumieren, etwas fehlt. Dieser „Missing Link“ setzt sich aus drei Komponenten zusammen.
(1) Die Trennung zwischen Eigentum und Verantwortung: Unternehmen verfolgen fast ausschließlich die Interessen ihrer Shareholder. Das hat den Kapitalismus durch das 20. Jahrhundert getrieben, ist bis heute vorherrschende Kraft in der Wirtschaft – und somit verantwortlich für die nächste Komponente.
(2) Die Rolle von Geld als (einzigem) Transaktionswert: Geld wird als rationalste Methode wahrgenommen, Werte zu messen. Die Folge: Fast alle wirtschaftlichen Transaktionen laufen über Kosten. Geld ist somit die wichtigste Größe, um Gewinne und Verluste zu bewerten. Was dabei oftmals verloren geht, ist die Tatsache, dass das Leben aus sehr viel mehr besteht als aus dem Finanzkonto.
(3) Mangel an Transparenz: Dinge, Natur und Menschen sind systematisch verbunden. Aber das Gefühl für diese Verbundenheit ist über die Jahrzehnte verloren gegangen. Das Ergebnis: Wir verhalten uns – gerade im Wirtschaftskontext so – als würden wir uns in einem Vakuum bewegen, losgelöst von dem, was wirklich zählt.
Dank dieser drei Komponenten ist die Verbindung zwischen unserem ökonomischen und unserem sozialen System, zwischen den Menschen und ihrem Sinn für Verantwortung unterbrochen. Was wir jetzt brauchen sind Maßnahmen und Mechanismen, die uns helfen, diese Verbindung wieder herzustellen. Ein erster Schritt könnte sein, dass Individuen Verantwortung übernehmen, dass sie sich den aktuellen ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen stellen. Eine solche Veränderung könnte u.a. zu effizienteren – und nachhaltigeren – Wegen führen, Werte für Menschen und Natur sowie eine gerechtere Verteilung von Wohlstand zu schaffen. Denn im Grunde gilt: Wenn wir, die wir durch die verheerenden Entwicklungen alles zu verlieren haben, nichts tun, wer wird es dann tun?
Prof. Dr. Linda O’Riordan, Nina Marsh und Prof. Dr. Jan Jonker vom KompetenzCentrum für Corporate Social Responsibility der FOM Hochschule
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