Nachhaltige Entscheidungen treffen: Prof. Dr. Barnim Jeschke über das Tool "SUDEST" - FOM forscht

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Nachhaltige Entscheidungen treffen: Prof. Dr. Barnim Jeschke über das Tool „SUDEST“

Manager und Führungskräfte beim Treffen nachhaltiger Entscheidungen unterstützen – so lautet die Zielsetzung des Sustainable Decision Support Tool. Hinter SUDEST stehen die FOM Professoren Dr. Barnim Jeschke und Dr. Nils Mahnke. Im Rahmen eines interdisziplinären Projektes haben der Experte für strategisches Management und der Fachmann für angewandte Mathematik ein Werkzeug entwickelt, mit dessen Hilfe ein komplexes Unternehmensumfeld systematisch abgebildet und hinsichtlich unternehmerischer Handlungsalternativen ausgewertet werden kann. Wie das funktioniert, erläutert Barnim Jeschke im Interview.

Portraet_JeschkeWas war der Ausgangspunkt für die Entwicklung von SUDEST?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Als praxisorientierte Hochschule steht die FOM im regen Austausch mit der Business Community. Vielfach kam die Rückmeldung, dass die Entscheidungsfindung in einem immer komplexer werdenden Umfeld als große Herausforderung gesehen wird. Früher haben viele Führungskräfte intuitiv oder auf Basis vergangener Erfahrung entschieden. Das ist – so das Feedback – heutzutage nicht mehr ohne weiteres möglich. Daraus ist die Idee entstanden, das Thema Entscheidungsfindung aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm heraus in die Praxis zu tragen.

Wie funktioniert das Tool?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Mit Hilfe von SUDEST kann ein komplexes Umfeld systematisch abgebildet und in Bezug auf Handlungsalternativen ausgewertet werden. Der erste Schritt ist die Situationsanalyse. Dabei werden Entscheidungssubjekte (Stakeholder) und Entscheidungsobjekte (ausgetauschte Produkte im Sinne von „systemgebundenen Ressourcen“) unterschieden und in Beziehung zueinander gesetzt. Anschließend wird ein Entscheidungskomplex in seine chronologischen Entscheidungsphasen zerlegt und über einen matrixbezogenen Algorithmus ausgewertet. Im Resultat erhalten Entscheider auf Basis eines Kennzahlensystems Indikatoren, die aufzeigen, mit welchen Konsens- und Widerstandspotenzialen bei den Stakeholdern zu rechnen ist und wie sich die involvierten ökonomischen, ökologischen und sozialen „Produktbestände“ entwickeln.“

Aktuell befindet sich SUDEST in der Erprobungsphase. In welchen Situationen kommt das Tool zum Einsatz?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Mehrere Firmen – vom Mitteltständler bis zum DAX-Unternehmen – nutzen SUDEST, um aktuelle Herausforderungen oder Problemstellungen zu bewältigen. In einem Fall geht es um die Erschließung von Kiesabbaugebieten. Die Betreiber stehen vor der Frage: Was sind langfristig betrachtet die beste strategischen Entscheidungen hinsichtlich Abbaugebiet und Nachfolgenutzung? Dabei müssen sie nicht nur die angestrebten Gewinne im Auge haben, sondern auch die Positionen der Stakeholder. Ein Beispiel: Bei bestimmten Abbaugebieten ist das Konfliktpotenzial mit Anwohnern und Umweltschützern gering. Die Folge: ein hoher Preis für die Gebietsnutzung (z.B. Pacht). Dann gibt es wiederum Gebiete, die kostengünstiger gesichert werden können, dafür aber eine hohe Konfliktdichte aufweisen…

Wie lassen sich solche „weichen“ Faktoren wie Konfliktdichte messen?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ein Unternehmen möchte die Zahl der Arbeitsunfälle minimieren. Harte Faktoren sind dabei Punkte wie Mitarbeitertrainings, Ausrüstung und Sicherheitsbestimmungen. Ein weicher Faktor wäre beispielsweise die Einstellung der Mitarbeiter zum Tragen von Schutzhelmen, das von einzelnen vielleicht als weibisch eingeschätzt und daher abgelehnt wird. Diese Frage nach der Einstellung lässt sich etwa mit Hilfe einer fünfstufigen Nominalskala beantworten – von „stark ablehnend“ über „neutral“ bis zu „stark zustimmend“ – und somit für weitergehende quantitative Betrachtungen operationalisieren.

Können Unternehmen das Tool selbstständig einsetzen oder brauchen sie dafür Unterstützung?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Nils Mahnke und ich begleiten den ersten Einsatz, danach können die Unternehmen das Tool ohne weitere Unterstützung bei anderen Entscheidungsprozessen einsetzen. Wer sich ein genaueres Bild von SUDEST machen möchte, finden übrigens auf der Internetseite der Hochschule eine unserer Publikationen zum kostenlosen Download. Sie ist in der Schriftenreihe des KompetenzCentrums für Corporate Social Responsibility der FOM erschienen.

Spielt SUDEST auch bei Ihrer Lehre an der FOM Hochschule eine Rolle?

Prof. Dr. Barnim Jeschke: Ich lasse die Erfahrungen aus den Anwendungsfällen selbstverständlich in meine Vorlesungen einfließen. Zudem planen wir ein Planspiel für die Studierenden, das auf der SUDEST-Methodik beruht.

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