Interview mit Prof. Dr. Weckmüller: „Der Rückgriff auf gesichertes Fachwissen ist Kernmerkmal einer professionellen Personalabteilung“ - FOM forscht

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Interview mit Prof. Dr. Weckmüller: „Der Rückgriff auf gesichertes Fachwissen ist Kernmerkmal einer professionellen Personalabteilung“

Kennen Personalpraktiker Ergebnisse der Personalforschung und nutzen sie diese bei der betrieblichen Entscheidungsfindung? Diesen Fragen ist FOM Professor Heiko Weckmüller im Rahmen einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) nachgegangen. Das Ergebnis: Personalpraxis und -forschung sind weitgehend getrennte Welten. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, verrät Prof. Weckmüller im Interview.

Warum besteht kaum Dialog zwischen Personalforschung und -praxis?

Prof. Dr. Heiko Weckmüller: Die Ursachen sind auf beiden Seiten zu suchen: Personalpraktiker entscheiden vorwiegend auf Basis ihrer eigenen Berufserfahrung  und besprechen sich mit anderen Personalpraktikern. Forschungsergebnisse gelten als schwer zugänglich, unverständlich und wenig praxisrelevant. Für Personalforscher existieren auf der anderen Seite wenige Anreize, Ergebnisse praxistauglich zu kommunizieren und sich mit Praktikern auseinanderzusetzen. Deshalb werden die Ergebnisse der Studie aktuell auch intensiv diskutiert und waren zum Beispiel Schwerpunktthema des „Personalmagazins“ (1/2014).

Welche Folgen hat das für die Unternehmen?

Prof. Dr. Heiko Weckmüller: Individuelle Fehlentscheidungen, Silodenken und kollektive Managementmoden sind die unmittelbaren Folgen. Dabei ist der Rückgriff auf gesichertes Fachwissen Kernmerkmal einer Professionalisierung und trägt zum Akzeptanzgewinn der Personalabteilung in den Unternehmen bei. Zwei Beispiele: Intelligenztests werden in der Personalauswahl nur selten eingesetzt, weil diesen nur eine geringe Prognosekraft zugesprochen wird. Tatsächlich weisen Intelligenztests eine hohe Validität auf. Im Rahmen von Diversityprogrammen wird aktuell immer wieder die produktive Wirkung geschlechtergemischter Teams hervorgehoben. Aus der Teamforschung ergeben sich positive Effekte jedoch vor allem aus der Mischung unterschiedlicher fachlicher Erfahrungshintergründe, Geschlecht ist in der Regel irrelevant.

Was empfehlen Sie Personalern?

Prof. Dr. Heiko Weckmüller: Personalpraktikern empfehle ich die komplementäre Verwendung von Forschungsergebnissen insbesondere bei strategischen Entscheidungen. Die empirische Personalforschung hat sich zuletzt inhaltlich und methodisch wesentlich weiterentwickelt, und der Fundus an gesicherten Erkenntnissen ist inzwischen sehr breit. Wie eine systematische Anwendung aussehen kann, habe ich gerade in einem Praktikerhandbuch „Exzellenz im Personalmanagement – Neue Ergebnisse der Personalforschung für Unternehmen nutzbar machen“ zusammengefasst.

Zudem sollten sie sich von vielen ihrer Vorbehalte gegen Forschungsergebnisse verabschieden: Die sind nämlich zum Teil Vorurteile – wie beispielsweise die vermeintlich schwere Zugänglichkeit. Wer wissenschaftliche Suchmaschinen wie „googlescholar“ nutzt, um die obigen Frage nach Diversität mit dem Suchbegriff „team diversity“ nachzugehen, kommt schnell zu Ergebnissen.

Wie viel Wissenschaft verträgt die Praxis?

Prof. Dr. Heiko Weckmüller: In der Tat geht es nicht um eine Verwissenschaftlichung der Praxis. Forschungsergebnisse sollten komplementär, d.h. ergänzend zu anderen Informationen genutzt werden. Dies insbesondere bei weitreichenden Entscheidungen oder zum Hinterfragen von Managementmoden. Intuitiv-erfahrungsgeleitetes Entscheiden ist nicht immer falsch, unterliegt aber auch Bewertungs- und Wahrnehmungsverzerrungen. Und gerade hier können Forschungsergebnisse zur Korrektur hilfreich sein.

Die FOM führt mit dem Master of Science Human Resource Management Wissenschaft und Praxis zusammen. Wie zahlt sich dieses Konzept aus? Und wo liegen die Vorteile für die Studierenden?

Prof. Dr. Heiko Weckmüller: Die Master of Science Studiengänge sind die konsequente Antwort auf die unzureichende Professionalisierung. Im Modul „Entscheidungsorientiertes Management“ lernen die Studierenden beispielsweise zunächst, Entscheidungsprobleme zu strukturieren, wobei unmittelbar Erkenntnisse der Wirtschaftspsychologie zu Bewertungsverzerrungen integriert werden. Darauf aufbauend wird die eigenständige Interpretation von Forschungsergebnissen in den fachspezifischen Modulen wie „Personalmarketing“ und Personalrecruiting“ vermittelt. Schritt für Schritt – insbesondere über die Module „Wissenschaftliche Methodik“ und „Personalforschung“ – erfolgt eine Vorbereitung auf die eigenständige und methodisch angemessene Durchführung von Datenerhebungen und -auswertungen im Unternehmen, die dann in der Master-Thesis umgesetzt werden kann. Masterabsolventen sollen die Inkubatoren des Neuen in Unternehmen werden und profitieren davon durch bessere Karriereperspektiven.

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