Forschung im Porträt: Das KompetenzCentrum für Didaktik in der Hochschullehre für Berufstätige - FOM forscht

Forschung im Porträt: Das KompetenzCentrum für Didaktik in der Hochschullehre für Berufstätige

Didaktische Methoden speziell für die berufsbegleitende Lehre zu entwickeln, zu erproben und zu evaluieren – das ist die Zielsetzung des KompetenzCentrums für Didaktik in der Hochschullehre für Berufstätige, kurz: KCD, an der FOM Hochschule. Wie das in der Praxis aussieht und welche Vorteile Studierende und Dozenten dadurch haben, verrät die wissenschaftliche Leiterin, Prof. Dr. Sabine Fichtner-Rosada, im Interview.

Wo genau liegen die Aufgaben des KCD?

Sabine Fichtner-Rosada: Wir möchten den Studierenden der FOM Hochschule ein attraktives und effektives Lernen mit größtmöglichem Erfolg und Kompetenzgewinn ermöglichen. Dazu entwickeln wir das hochschuldidaktische Konzept der FOM ständig weiter. Oberste Prämisse: die Lehre mit der Berufstätigkeit der einzelnen Studierenden zu verknüpfen. Das ist das elementare Merkmal unserer FOM ID – Interaktive Didaktik für berufstätige Studierende an der FOM Hochschule. Dabei geht es darum, die Erfahrungen und Kompetenzen der berufstätigen Studierenden systematisch in den Lehr- und Lernprozess zu integrieren. Es wird also ein Zusammenspiel zwischen praxiserfahrenen Dozenten und ebenfalls praxiserfahrenen Studenten gefördert, das es nur bei der FOM-typischen Verknüpfung von Studium und Beruf geben kann. Wie wichtig eine solche didaktische Ausrichtung zur Bewältigung eines Studiums neben der Berufstätigkeit ist, zeigt auch die BMBF-Initiative ANKOM, die entsprechende Projekte zur Steigerung der Durchlässigkeit und zur Anrechnung beruflicher Kompetenzen für das Studium verfolgt.

Und wie lassen sich Lehre und Job verbinden?

Sabine Fichtner-Rosada: Zunächst einmal finden unsere Vorlesungen abends und am Wochenende statt – also außerhalb der regulären Arbeitszeiten und parallel zur Berufstätigkeit. Das ist schon einmal eine wesentliche Voraussetzung. Inhaltlich bringen unsere Dozenten in ihre Vorlesungen Beispiele und Fallstudien aus ihrem eigenen Berufsalltag ein. Es geht dann darum, auch die Studierenden dahin zu bringen, dass sie systematisch und regelmäßig aus ihrer Praxis berichten und Problemstellungen mit Lehrenden und Kommilitonen diskutieren. Erst dann kann der große Vorteil des Austausches und des Vergleichs der Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Aufgabenbereichen genutzt werden. Wer an der FOM Hochschule studiert, profitiert und lernt also auch von Erfahrungen und Fachkenntnissen seiner Kommilitonen, wenn dieser Austausch von den Dozenten systematisch gefördert wird.

Auch der Blickwinkel von außen muss trainiert werden. Dazu sind oft auch Gäste in die Vorlesungen eingebunden: Führungskräfte namhafter Unternehmen, die über aktuelle Projekte berichten. So lassen sich lebendig konkrete Problemorientierungen in die wissenschaftliche Ausbildung integrieren.

Welche Vorteile hat das für die Studierenden?

Sabine Fichtner-Rosada: Durch die Verknüpfung mit der Praxis können die Studierenden das theoretische Wissen, das sie in den Vorlesungen erwerben, besser verstehen, behalten und auch anwenden. Hinzu kommt: Da unsere Studierenden berufstätig sind, wenden sie ihr neues Know-how auch direkt in ihrem Arbeitsalltag an. Dieser Vorgang wird von uns durch entsprechende Lernziele immer wieder angeregt. Dadurch findet eine ständige kritische Reflexion statt. Beides zusammen wirkt sich positiv auf den Lernerfolg aus.

Für die Lehrenden bedeutet das allerdings: Zwei Stunden lang eine Powerpoint-Präsentation an die Wand zu werfen reicht nicht aus.

Sabine Fichtner-Rosada: Vollkommen richtig. Das praxisorientierte hochschuldidaktische Konzept der FOM stellt höchste Anforderungen an unsere Professoren und Dozenten. Aufgabe des KCD ist es daher, die Lehrenden umfassend über das Konzept zu informieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Sabine Fichtner-Rosada: Wir führen regelmäßig Schulungen durch – zum Beispiel im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Dozententage. Dort stellen wir das hochschuldidaktische Konzept der FOM umfassend vor und geben praktische Tipps für die Lehre. Darüber hinaus stehen wir per E-Mail und Telefon jederzeit mit Rat und Tat zur Seite: Was muss bei der Planung von Vorlesungen beachtet werden? In welchen Zeitintervallen sollten Frontalunterricht, Diskussion, Gruppenarbeit oder Film aufeinander folgen? Wann ist Zeit für einen Gastvortrag? Und wie lassen sich Zielgruppe und Lernziel optimal berücksichtigen? All das sind Fragen, bei denen wir gerne unterstützen.

Auf Wunsch vermitteln wir auch den Kontakt zu Kollegen, die bereits jede Menge Erfahrung mit dem FOM-Konzept und unseren berufstätigen Studierenden gesammelt haben. Sie lassen sich von neuen Kollegen gerne über die Schulter gucken, stellen einzelne Methoden oder Tools vor. Wer neue Wege gehen möchte, erhält ebenfalls Unterstützung vom KCD: Wir begleiten u.a. innovative Projekte einzelner Dozenten oder Arbeitsgruppen. Voraussetzung: Thema, Inhalt und Bedarf sind tendenziell für alle Studienzentren der FOM Hochschule interessant. Ein Dozent aus Dortmund hat beispielsweise Podcasts und digitale Checks zur Eigenkontrolle für den Bereich Statistik entwickelt. Eine andere Gruppe setzt sich aktuell mit der Fallstudienarbeit in den berufsbegleitenden Master-Programmen auseinander.

Podcasts und digitale Tests? Ist E-Learning für die FOM Hochschule ein Thema?

Sabine Fichtner-Rosada: Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass das Präsenzstudium den größtmöglichen Lernerfolg gewährleistet. Die Studierenden stehen während ihrer gesamten Studienzeit in persönlichem Kontakt zu ihren Dozenten und Kommilitonen. Sie tauschen sich im Anschluss an Lehrveranstaltungen über Inhalte und Erfahrungen aus oder diskutieren Probleme und Fragestellungen. Das verbessert den Transfer des Gelernten in die Praxis – und erhöht die Motivation der Lernenden.

Tools wie Podcasts, Planspiele, Videos und digitale Tests flankieren und unterstützen diesen Ansatz. Dabei zielen sie neben der fachlichen vor allem auf die persönliche Kompetenzentwicklung unserer Studierenden ab. Selbstständigkeit, Zeit- und Organisationsmanagement sind beispielsweise Dinge, die sich auch außerhalb des Hörsaals gut trainieren lassen. So bieten wir den Studierenden die Möglichkeit, eigene Wikis anzulegen und zu pflegen. Zudem gibt es in Kürze digitale Unterrichtsunterlagen, die zum Beispiel in Fächern wie Datenbank- und Projektmanagement zum Einsatz kommen.

Eine letzte Frage mit Blick auf die Zukunft: Welche Projekte stehen 2013 am KCD an?

Sabine Fichtner-Rosada: Wir führen u.a. eine Studie zum Thema „Erreichbarkeit von Lernzielen“ unter unseren Studierenden durch und entwickeln einen Pool von Fallstudien und Übungen, die maßgeschneidert an die Lernziele in den Modulen angepasst sind. Darüber hinaus starten zum Sommersemester 2013 die neuen „Master of Science“-Studiengänge der FOM Hochschule. Dort setzen wir verstärkt auf einen kritisch-forschenden Lernansatz: Die Studierenden sollen neben einer hohen Selbstständigkeit in der Entwicklung ihrer Kompetenzen – zum Beispiel durch die Nutzung von ePortfolios – insbesondere Kenntnisse und Fertigkeiten in der empirischen Sozialforschung erlangen. Hier heißt es dann, quantitative Methoden beherrschen zu können. Das alles erfordert eine besondere Unterstützung unserer Lehrenden, die wir bereits in Angriff genommen haben und im neuen Jahr verstärken werden.

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