Wie Prozesse abgebildet und optimiert werden, damit Unternehmen Krisen besser standhalten können – Studierende in Forschung eingebunden  

Viele Branchen sind abhängig von unvorhergesehenen Faktoren, auf die schnell reagiert werden muss, um handlungsfähig zu bleiben. Die Textilbranche beispielsweise ist abhängig von globalen Zusammenhängen: Lieferketten können durch Krisen gestört werden – sei es infolge von Unruhen in verschiedenen Ländern, durch Klimakatastrophen oder andere unvorhersehbare Ereignisse. Um solchen und anderen Störungen wirksam zu begegnen, benötigen Organisationen robuste und gleichzeitig flexible Prozesse. Da Prozesse von Menschen gesteuert werden, müssen auch die Menschen, die hinter den Prozessen stehen, gestärkt werden. Die Teams, die zusammenarbeiten, müssen resilient sein, damit sie in der Lage sind, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, flexibel zu reagieren und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Schnelle Entscheidungen unter Zeitdruck  

Auch in ganz anderen Branchen, wie zum Beispiel dem Rettungsdienst, sind Abläufe abhängig von einer guten Teamresilienz. In Krisensituationen sind zahlreiche Faktoren zu beachten und Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Bei neuen Erkenntnissen zu einer Rettungssituation muss blitzschnell umgedacht und Vorgehensweisen geändert werden.

Prozesse resilient gestalten: Zwei zentrale Schritte  

Branchenunabhängig bedarf es zweier wichtiger Schritte, um Prozesse resilient – also robust und flexibel zugleich – zu gestalten. Der eine Schritt ist, die Teamresilienz zu stärken. Der andere Schritt ist, die Prozesse adäquat, mit allen Eventualitäten, abzubilden und sie auf dieser Basis zu optimieren.

Prozesse abbilden und optimieren mit FRAM  

Mit der Functional Resonance Analysis Method (FRAM) kann man Prozesse strukturiert abbilden und optimieren. Wirtschaftspsychologie-Studierende der FOM Hochschule in Köln haben nun im Rahmen von zwei Workshops gelernt, wie man Resilienzpotentiale mithilfe der FRAM finden und visualisieren kann. Ziel war sowohl, ihnen Einblicke in aktuelle Forschungsprozesse zu geben als auch, wissenschaftliche Konzepte weiterzuentwickeln. Das Vorgehen ist Teil des Forschungsprojekts „RETRAKT“, das unter der Leitung der FOM am iaim Institute of Automation & Industrial Management in Kooperation mit Instituten der RWTH Aachen und Unternehmen der Textilbranche aktuell durchgeführt wird. Ziel ist, ein resilientes Transformationsmanagement für die Textilindustrie zu entwickeln, damit diese kreislauffähig werden und dabei Umständen wie oben erwähnten Krisen trotzen kann.

Studierende lernen Prozessmodellierung mit FRAM  

Im Dezember 2025 nahmen 23 Studierende an einem ersten Workshop teil. Ein weiterer Termin mit 16 Studierenden fand gestern statt. Beide wurden unter der Leitung von RETRAKT-Projektleiter Prof. Dr. Thomas Mühlbradt und den Projektmitarbeitenden Dr. Helga Unger und Dr. Andreas Glatz durchgeführt. Anhand eines einfachen Beispiels – der Zubereitung eines Fertiggerichts, sogenannter Cup-Nudeln – modellierten die Studierenden Prozesse mit FRAM, identifizierten Störungen, wie zum Beispiel einen Stromausfall, und entwickelten resiliente Antworten. So wurde sichtbar, wie Prozesse robuster gestaltet werden können.

Nächster Schritt: Validierung der Ergebnisse beim GfA-Frühjahrskongress 2026  

Die Erkenntnisse aus diesen beiden Workshops dienen einer weiteren Erprobung im Rahmen eines dritten Workshops, dieses Mal mit Arbeitswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Dieser soll beim 72. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) in Kassel, der sich menschengerechter Arbeitsgestaltung widmet, durchgeführt werden. Langfristig sollen die Erkenntnisse aus dem Projekt RETRAKT auch über die Textilbranche hinaus in anderen Branchen einsetzbar sein. Weitere Informationen zum Projekt können auf der RETRAKT-Website nachgelesen werden: https://retrakt.de.

Yasmin Lindner-Dehghan Manchadi M.A. | Referentin Forschungskommunikation der FOM Hochschule | 21.01.2026