Digitalisierung der Arbeit mit positiven Folgen für Mitarbeiterbindung
28.03.2017 – Was passiert, wenn die Digitalisierung im Arbeitsalltag ankommt? Diese Frage stand im Zentrum des Forschungsprojektes DIGITRANS unter Leitung von Prof. Dr. Christian Rüttgers. Ein zentrales Ergebnis: „Mit einer höheren Nutzungsintensität mobiler Endgeräte geht eine größere wahrgenommene Flexibilität der Beschäftigten einher“, so der stellvertretende Direktor des ipo Institut für Personal- & Organisationsforschung. „Über diesen Kanal ergeben sich im Endeffekt höhere Ausprägungen von Mitarbeiterbindung, Arbeitszufriedenheit und Work-Life-Balance.“
Mit Unterstützung der GFOS mbH hat Prof. Dr. Rüttgers rund 540 angehende Fach- und Führungskräfte aus unterschiedlichen Branchen, Unternehmensbereichen und Regionen zu ihren Erfahrungen mit der digitalen Transformation befragt. Dabei ging es zum Beispiel um mobiles Arbeiten: Befragte mit einer starken arbeitsbezogenen Nutzung mobiler Endgeräte zeigen eine höhere Ausprägung der wahrgenommenen Arbeitsflexibilität als Befragte, die im beruflichen Kontext eher selten zu Notebook, Smartphone & Co. greifen. Ein ähnlicher Effekt fand sich für die Telearbeit aus dem Home-Office. „Besteht zudem die Möglichkeit, Einzelzeiträume der Arbeit etwa für eine projektbezogene Abrechnung digital zu erfassen, steigt die Flexibilität weiter“, ergänzt Prof. Dr. Rüttgers. Interessante Randnotiz: Von der Frage der Dokumentationspflicht über die Gesamtarbeitszeit – also Vertrauensarbeitszeit versus Arbeitszeitkonto – geht laut Studie kein Effekt auf die untersuchten Einstellungen der Mitarbeitenden aus.
Ein weiterer Schwerpunkt der Befragung war die digitale Personaleinsatzplanung. „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitstage und -zeiten rechnergestützt geplant werden, weisen signifikant höhere Werte sowohl bei der emotionalen Bindung an ihr Unternehmen als auch bei ihrer Arbeitszufriedenheit auf“, fasst Prof. Dr. Rüttgers die Ergebnisse zusammen. „Die Verwendung einer Software, die ohne Ansehen der Person nach objektiven und nachvollziehbaren Kriterien die Arbeitseinsätze verteilt, führt offenbar dazu, dass die Beschäftigten die Personaleinsatzplanung als gerechter empfinden.“ Ein derartiger Effekt zeige sich sowohl mit Blick auf die Transparenz des Verfahrens (prozeduale Gerechtigkeit) als auch die Wahrnehmung des Verfahrensergebnisses unter den Kolleginnen und Kollegen (distributive Gerechtigkeit). So werde die Qualität der Planung als besser empfunden als bei individuellen bzw. persönlichen Abstimmungen.
Trotz dieser positiven Auswirkungen warnt der FOM Wissenschaftler vor Nebenwirkungen der Digitalisierung. „Die Befragten, die mobile Endgeräte sehr intensiv nutzen, berichten auch von technologiebetriebenem Arbeitsdruck, einem Gefühl ständiger Erreichbarkeit und Zusatzarbeit außerhalb des Büros“, erklärt Prof. Dr. Rüttgers. „Die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit hat also durchaus auch ihre Schattenseiten.“
Die kompletten Ergebnisse der empirischen Analyse stehen auf der Internetseite des ipo Institut für Personal- & Organisationsforschung zum Download bereit.
Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation
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