Versorgungsdaten im Gesundheitswesen: Kann der Datenschatz auch für die Gesundheitsberichtserstattung genutzt werden?

10.06.2016 – Zugangswege zu den am DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation) vorliegenden Daten und Herausforderungen der Sekundärdatenanalyse – so lauteten die Schwerpunkte der Fortbildungsveranstaltung Nutzung von ‚neuen‘ Datenquellen für die Gesundheitsberichtserstattung (GBE) am Gesundheitscampus in Bochum. Auf der Referentenliste standen u.a. Michael Schopen vom DIMDI („DaTraV: Antragstellung und Aufbau des Datensatzes“), Prof. Dr. med. Jürgen Stausberg vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland („Rahmenbedingungen des Kodierens, Interpretationsfallen“) und Prof. Dr. David Matusiewicz.
Der Direktor des ifgs Institut für Gesundheit & Soziales befasste sich in seinem Vortrag mit der Frage, vor welchen Herausforderungen Gesundheitsberichterstatterinnen und -erstatter bei der Nutzung von Versorgungsdaten stehen. „Das generelle Interesse an standardisierten Informationen, die beispielsweise von der gesetzlichen Krankenversicherung oder der Renten- und Unfallversicherung für Abrechnungszwecke mit den Leistungserbringern genutzt werden, ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, betonte er. Stammdaten oder Informationen zu ambulanten oder stationären Behandlungen sowie zu verordneten Arzneimitteln könnten u.a. bei der Versorgungsforschung oder gesundheitsökonomischen Analysen zum Einsatz kommen. „Sie sind eine wichtige Datenbasis zur Steuerung und Evaluation der Versorgung im Gesundheitswesen, dienen der datenbasierten Entscheidungsfindung und unterstützen die Gesundheitsakteure auf dem Weg von einer Verwaltungsbehörde zu einer modernen Gesundheitsmanagementorganisation“, fasste der FOM-Experte zusammen.
Allerdings gäbe es in der Praxis teilweise noch elementare Herausforderungen: Wie steht es beispielsweise um die Qualität der Daten? Lassen sich Routinedaten über mehrere Jahre ohne Probleme verknüpfen? Wie steht es um den Datenschutz? Welche Software eignet sich für die Auswertung? Und was tun bei schwer interpretierbaren Ergebnissen? „Es müssen definitiv noch weitere methodische Standards für die wissenschaftliche Nutzung dieser Daten etabliert werden, die den spezifischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Sekundäranalyse gerecht werden.“, erklärte Prof. Dr. Matusiewicz. Die Routinedaten-Fach-Community wachse entsprechend, so dass es zum Know-how-Transfer und zu mehr Erfahrungen durch Publikationen komme. Zudem werde in der Praxis zunehmend ein Schwerpunkt auf die Analyse der eigenen Datenschätze gelegt. „In Stellenbeschreibungen beispielsweise sind Erfahrungen mit Routinedaten punktuell erwünscht. Vielleicht gibt es in Zukunft sogar eine gezielte Ausbildung oder das Berufsbild des ‚Routinedatenmanagers‘“, so der ifgs-Direktor.
Stefanie Bergel, Referentin Forschungskommunikation
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