Akzeptanz der Frauenquote
Die Termine reißen momentan nicht ab: Am 16. Mai war ich als Referentin beim Business Breakfast in Essen zu Gast. Eingeladen von Petek – dem Business-Netzwerk Migrantinnen – habe ich über die Akzeptanz der Frauenquote gesprochen. Den Einstieg bildeten die aktuellen Zahlen: Der Anteil von Frauen im Management liegt nach wie vor nur bei ca. 20% (abhängig von der betrachteten Branche, Unternehmensgröße etc.). In den im DAX notierten Unternehmen innerhalb Deutschlands werden laut WOB-Index lediglich 17,2 Prozent der Aufsichtsratspositionen und 6 Prozent der Vorstandpositionen durch Frauen besetzt.
In der Literatur werden u.a. drei Ursachen für dieses Phänomen genannt:
- Unvereinbarkeit von Beruf und Familie: Aktuelle Arbeitszeit- und Führungskulturen, denen sich sowohl Frauen als auch Männer stellen müssen, sind nur schwer vereinbar mit den Familienpflichten. Die derzeitige Präsenzkultur, fehlende Kinderbetreuungsangebote und die mangelnde Akzeptanz gegenüber familienbedingten Ausfallzeiten sowie der Elternzeit führen zur Unvereinbarkeit.
- Männerdominierte Netzwerke: Die hiesige – männliche – Unternehmenselite rekrutiert sich nach homosozialen Kriterien bzw. nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Es handelt sich hierbei um eine Kultur des persönlichen Networking. Studien zeigen, dass Männer leichter durch Netzwerke aufsteigen als Frauen, die diese Form des Beziehungsmanagements deutlich weniger nutzen.
- Geschlechterstereotypen: Es konnte vielfach nachgewiesen werden, dass Frauen zwar identische Verhaltensmuster aufweisen wie Männer, dass sie aber anders bewertet werden. Bei Männern wird direktes und dominantes Kommunikationsverhalten, wie z. B. Widerspruch, als positiv angesehen. Ein solches Verhalten bei Frauen ruft dagegen eine gegensätzliche Bewertung hervor: Es wird eher als aggressiv und anmaßend aufgefasst. Von Frauen wird eher ein gemeinschaftsbezogenes, d. h. ein wohlwollendes, liebevolles, hilfsbereites und freundliches Verhalten erwartet.
Um diesen Effekten entgegen zu wirken, wird nach wie vor die Einführung einer Frauenquote in der Politik – sowohl in Deutschland als auch für Gesamt-Europa – diskutiert. Zwar besteht seit 2001 die Selbstverpflichtung seitens vieler Unternehmen zur Erhöhung des Frauenanteils, diese führte bislang jedoch nicht zu einer signifikanten Verbesserung der Situation. Daher wurde von Seiten der Politik eine klare Regelung für den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen gefordert – man hat sich im vergangenen Jahr im Rahmen des Koalitionsvertrages sogar auf eine Regelung geeinigt.
Die Auswirkungen der Einführung einer Quote werden von Befürwortern und Gegnern unterschiedlich eingeschätzt. Befürworter sehen in der Quote die Möglichkeit zur Verbesserung der Chancengleichheit und Vielfalt innerhalb von Unternehmen mit positiver Wirkung auf Unternehmens- und Führungskultur, was wiederum zu einer Leistungs- und Erfolgssteigerung führen kann. Gegner wiederum argumentieren, dass eine Quote zu einer Diskriminierung der Männer führt; sie sehen einen Eingriff in das unternehmerische Handeln sowie die jeweiligen Rechte der Anteilseigner.
Wie wird die Frauenquote von denjenigen beurteilt, die in Zukunft tatsächlich von einer Frauenquote betroffen sein könnten, den zukünftigen Nachwuchskräften? Um dies beurteilen zu können, wurde im Juni 2012 eine Onlinebefragung im Rahmen der Forschungsreihe ‚FOM fragt nach’ durchgeführt. Die Stichprobe umfasst insgesamt 761 Personen und setzt sich aus 60,7 Prozent Frauen und 39,3 Prozent Männern zusammen. Ergebnis: Die Skepsis gegenüber einer gesetzlichen Frauenquote ist bei den befragten Studentinnen und Studenten groß. 65,6 Prozent sprechen sich gegen die Einführung einer Quote aus. 24,6 Prozent befürworten eine Quote für alle Führungspositionen, 9,7 Prozent könnten sich eine Frauenquote für Top-Management und Aufsichtsräte vorstellen. Bemerkenswert: Männer und Frauen stehen dem Thema unterschiedlich gegenüber. Während nur 47,7 Prozent der Studentinnen die Quote ablehnen, sind es unter den Studenten über 93 Prozent.
In einem sind sich die Gegner der Frauenquote einig: Positionen sollten entsprechend der Qualifikationen und unabhängig vom Geschlecht besetzt werden (94 Prozent). Das unterstützen mit Sicherheit auch diejenigen, die für eine Quote sind. Die Befürworter erhoffen sich zudem durch die Quote ein Umdenken unter den bisherigen Führungskräften (67,7 Prozent), bessere Chance für Frauen (63,5 Prozent) sowie eine Veränderung der Unternehmenskulturen (56,5 Prozent). Unabhängig von der Quote betonen beide Geschlechtergruppen: Unternehmen mit gemischten Management-Teams sind erfolgreicher als rein männerdominierte Unternehmen (72,4 Prozent).
Ich bin sehr gespannt, was mit den Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag 2013 wird, ob die Frauenquote für Aufsichtsgremien in börsennotierten Unternehmen tatsächlich kommen wird. Mir ist auf jeden Fall wichtig, immer wieder bezüglich Für und Wider einer Frauenquote ins Gespräch zu kommen. Gerade mit jungen Frauen freue ich mich über den Austausch – zunehmend kann ich Studentinnen gewinnen, in diesem thematischen Kontext ihre Abschlussarbeit zu schreiben.
Prof. Dr. Anja Seng, Rektoratsbeauftrage für Diversity Management an der FOM Hochschule
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